Jochen Schmidt | ZUCKERSAND

D 2017 | 206 Seiten
C.H.Beck
ISBN: 978-3-406-70509-0

Klara schrieb mir aus dem Büro, dass ich nicht vergessen sollte, Karl die Zähne zu putzen, wir würden es sonst irgendwann bereuen … (Seite 11)

INHALT: Ein nicht mehr ganz so junger Vater (40+) verbringt einen Tag mit seinem doch recht jungen Sohn (2), geht mit ihm einkaufen und auf den Spielplatz. Der kleine Karl entdeckt die Welt mit staunenden Augen, packt wissbegierig alles an, zieht Hebel, drückt Knöpfe, kein Schalter ist vor ihm sicher. Sein Vater lässt ihn alle Erfahrungen selbst machen, immer mit dem nostalgischen Blick in die eigene Kindheit, als die Welt noch aus unzähligen Mysterien bestand. Diese Enttarnungen, diese Momente, in denen es irgendwo im noch so jungen Oberstübchen Klick! macht, sind immer mit Kernerinnerungen verbunden, und diese möchter er seinem Sohn nicht verwehren.

FORM: Jochen Schmidts Roman ist ein unerschöpflicher Fundus an Kindheitserinnerungen, wie wir ihn wohl alle in uns tragen, aber nur selten in solchem Ausmaß vor uns ausgelegt bekommen. Manchmal hämmert Schmidt (*1970) die Reminiszenzen salvenweise in die Zeilen, manchmal vergräbt er sich seitenlang in einzelne Erinnerungen, die ihm besonders lieb sind. Alles in einer zarten Sprache, die irgendwo zwischen humorvoll und melancholisch anzusiedeln ist. Wenn es im Buch um Karls Mutter geht, die von ihrem Büro aus ständig SMS mit Erziehungstipps schickt und in allem, was Karl macht, Nachwirkungen eines pränatalen Bewusstseinszustandes und/oder Omen für Karls Zukunft erkennt, wird Schmidts Ton gern auch etwas sarkastischer, was ein bisschen Pfeffer ins Buch bringt.

FAZIT: Das Buch hat eine ganz klar umrissene Zielgruppe – Väter, sensibel und emphatisch, die Kinder in den ersten drei Lebensjahren haben oder hatten. Ich hatte in meinem Leben zweimal die Ehre, Kinder in diesem Alter durchs Leben zu begleiten und kann sagen: Jochen Schmidt trifft mit seinem Text einen ganz intimen, weil persönlichen Punkt. Es gibt kaum eine Seite in ZUCKERSAND auf der nicht wenigstens eine Kleinigkeit erwähnt wird, die ich nicht auch so erlebt hätte. All diese Gedanken, all diese Gefühle habe ich auch so oder so ähnlich gedacht und gefühlt, und ich bin mir sicher, dass ich da nicht der Einzige bin.

Weil mir der Text aber manchmal doch zu sehr ins kitschig-rührselige abdriftete, behalte ich einen Stern, empfehle ZUCKERSAND jedoch mit bestem Gewissen der oben genannten Zielgruppe.


Ich danke dem Verlag C.H.Beck für das Rezensionsexemplar.
Alle weiteren Informationen über den Roman findet Ihr hier.

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