Kurt Vonnegut | DIE SIRENEN DES TITAN

USA 1959 | 352 Seiten
OT: »The Sirens of Titan«
Aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt
Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-32258-5

Heutzutage weiß jeder, wie man den Sinn des Lebens in sich selbst findet.

(Seite 15)

Bei jeder Neuerscheinung eines Buches von Kurt Vonnegut bin ich sofort dabei. Diesmal ist es sein zweiter Roman DIE SIRENEN DES TITAN von 1959, der zwar nicht neu übersetzt – Harry Rowohlt leistete damals sehr gute Dienste –, dafür aber überarbeitet und mit einem lesenswerten Vorwort von Denis Scheck versehen wurde. Die Story in halbwegs verständliche Sätze zu kleiden, ist nicht einfach, ich versuche es dennoch:

Hauptheld der Geschichte ist Malachi Constant, der reichste Mann der Welt, dem eine übernatürliche Instanz das eigene Schicksal vorhersagt: Er wird die Erde verlassen, auf dem Mars Vater werden, den Merkur besuchen und nach einer Stippvisite auf der Erde schließlich auf dem Saturnmond Titan sterben. Constant kann über solchen Quatsch nur lachen. Warum sollte er die Erde verlassen? Ihm geht’s hier doch prächtig! Doch kurze Zeit später ist er bankrott und hat Schulden in Milliardenhöhe. Es bleibt ihm eigentlich kein anderer Ausweg mehr als … doch dann wird er von Außerirdischen entführt, die sein Gedächtnis löschen und ihn auf den Mars bringen, wo er mit einer irdischen Frau gepaart wird und Mitglied der marsianischen Armee wird, die einen Angriff auf die Erde plant…


In bester Vonnegut-Manier wird in DIE SIRENEN DES TITAN ein erzählerischer Haken nach dem anderen geschlagen; der kleine Einblick in die Handlung eben, überfliegt in ganz groben Zügen gerade mal das erste Viertel. Was den Text so lesenswert macht, ist die Fülle an Interpretationsmöglichkeiten. Wie bei jedem wirklich guten Science-Fiction-Stoff wird hier nicht nur eine bunte Geschichte aus dem Weltall erzählt, sondern auch ein Querverweis auf unsere eigene Gegenwart gezogen – in diesem Fall auf die westliche Welt der späten 1950er Jahre. Die beiden großen Themen hier sind Religions- und Militärkritik, zwei Äcker, in die Vonnegut Zeit seines Lebens tiefe Furchen zog. Verbunden mit den unverwechselbaren Sätzen – prägnant, trocken und voller Ironie – zählt dieses Frühwerk zu seinen besten und wichtigsten Romanen, der unter anderem auch Douglas Adams zu PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS inspirierte.

Obwohl ich wirklich kein großer Science-Fiction-Fan bin, habe ich DIE SIRENEN DES TITAN sehr genossen. Der aberwitzige Plot, die krassen Charaktere – die übernatürliche Instanz, die Constant die Zukunft verrät, ist zum Beispiel ein Space-Cowboy, der als Wellenphänomen zwischen zwei Sternen existiert und sich alle paar Wochen auf der Erde materialisiert – und das fulminante Ende, das die ganze Menschheitsgeschichte in Frage stellt, ergeben ein farbenfrohes Spektakel mit viel Witz und Tiefsinn. Im wahrsten Sinne des Wortes: Fantastisch!


DIE SIRENEN DES TITAN erschien in der Übersetzung von Harry Rowohlt im Heyne Verlag, dem ich herzlichst für das Rezensionsexemplar danke. Mit einem Klick auf Coverbild gelangt Ihr zur Verlagsseite, wo Ihr Informationen über Buch und Autor, sowie eine Leseprobe findet.

Und noch eine kleine Bitte: Kauft Bücher in Euren Buchhandlungen vor Ort. Die Online-Riesen sind schon satt genug und Eure Innenstädte werden es Euch danken.

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