Dave Eggers | DER CIRCLE

USA 2014 | 560 Seiten

INHALT: Mae Holland bekommt eine Stelle beim CIRCLE, dem größten Internetkonzern Amerikas. Hier ist alles hochmodern, alle sind jung, hip und kreativ. Der Circle ist eine Mischung aus Google, Facebook und Twitter, wächst rasant zum absoluten Giganten mit Monopolstellung und ist auch finaziell an der Weltspitze. Den Machern des Circle, die »Die Drei Weisen« genannt werden, stehen alle Türen offen und sie nutzen ihre Macht und die endlosen Mittel, um die Welt und die Menschheit komplett tranparent werden zu lassen. Ihr Ziel ist es, allen die Möglichkeit zu bieten, alles zu wissen. So entsteht eine weltumspannende Überwachung, die von allen bereitwillig, geradezu euphorisch angenommen wird.

Unsere Mae nun stürzt sich voller Tatendrang in den Circle und macht als erste völlig transparente Mitarbeiterin Karriere. Sie bekommt eine Kamera umgeschnallt und jeder kann immer erfahren, was sie gerade macht und sagt und isst und liest – die völlige Aufgabe der Privatsspäre. Denn »alles Private ist Diebstahl«, so eine Regel des Circle.

Die Finger des Circle reichen irgendwann bis tief in die Politik und machen die Konzepte einer Regierung mit einem Oberhaupt in einer Hauptstadt obsolet. Die ersten Kritiker werden laut, können sich dem Circle aber kaum noch entziehen, dessen Mitgliedschaft mittlerweile Pflicht ist. Die ersten Opfer sind zu beklagen und selbst die naive Mae wittert Machtmissbrauch…

FAZIT: Dave Eggers hat mit DER CIRCLE die klassische Form der Dystopie ins 21. Jahrhundert geholt. Das ist alles hochaktuell (wenn auch nicht gänzlich neu) und ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung in Sachen Menschenrechte im Digitalen Zeitalter, und ich würde auch 5 Sterne vergeben …

… aaaber: Ich habe selten ein so emotionslos und unkreativ dahingeschriebenen Roman gelesen. Eggers ist sympathisch und klug, er ist beliebt und erreicht mit seinen Büchern seit Jahren hohe Auflagen, was ich ihm auch gönne (anders als anderen Bestseller-Autoren). Und ich finde es auch gut, dass sich gerade ein kritischer Roman so lange an der Spitze der Charts hält, damit sich Eggers‘ Warnung vor der Macht solcher Online-Giganten möglichst weit verbreitet (der Durchschnittsleser liest nun mal keine Fachzeitschriften, sondern orientiert sich am Massengeschmack). Aber muss es denn so lieblos geschrieben sein? Die Charaktere sind platt und klischeebeladen, die Sätze sind trocken und ideenlos, die Story ist trotz des überraschenden Endes viel zu gradlinig, ohne Ecken und Kanten … Schade!

Inhaltlich gut, literarisch nicht der Rede wert – 3 Sterne.

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