T.J. Forrester | KINGS OF NOWHERE

USA 2012 | 235 Seiten
Blumenbar
ISBN: 978-3-531-05005-4

Hier, wo die Zivilisation zwischen die Mesquitebäume kriecht, zwischen die Kakteen, sich auf dem Sand breitmacht und die Klapperschlangen belästigt. Hier bin ich aufgewachsen, hätte nie gedacht, noch einmal zurückzukehren, und doch bin ich hier. (Seite 7)

INHALT: Taz Chavis ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und hat von seinem Vater ein kleines Sümmchen geerbt. Zurück in seinem alten Leben locken auch schnell die alten Sünden wieder: Drogen und Kriminalität. Ein Leben ohne Trost und Zukunft erwartet ihn, wenn er nicht bald die Reißleine zieht.

Und das tut er: Der Appalachian Trail, ein Wanderweg im Osten der USA, führt auf 2.200 Meilen durch vierzehn Bundesstaaten und ist für viele Wanderer nicht nur ein Pfad durch unberührte Natur, sondern auch eine Monate dauernde Reise zu sich selbst.

Chavis steigt aus seinem Leben aus, kehrt den Drogen den Rücken und macht sich auf den langen Weg nach Norden. Unterwegs trifft er andere Hiker, lernt neue Seiten an sich und am Leben kennen und wird als anderer Mensch den Trail verlassen. Er gewinnt Freunde, Menschen die ein ähnliches Schicksal teilen, die in ihren Zwängen, Süchten und Ängsten festsitzen und sich vom Trail Heilung erhoffen. Simone zum Beispiel leidet seit ihrer Jugend unter dem aggressiven Drang, andere aus großer Höhe in den Tod zu stoßen. Sie hasst sich dafür und will damit aufhören, aber der bergige Trail bietet jede Menge Gelegenheiten. Oder Richard, der vorgibt, Indianer zu sein, ist völlig dem Alkohol verfallen. Er will davon loskommen, erlebt aber einen Absturz nach dem anderen.

Er wird als Säufer sterben. Aber ich bin nicht Richard. Ich bin Taz Chavis, und ich habe mich entschieden, Herrscher über mein Leben zu sein. Ich bin Taz Chavis, und ich habe vor, nach dem Trail ein gutes Leben zu führen. (Seite 218)

FORM: Die vierzehn Kapitel sind immer im Wechsel zwischen Taz Chavis als Ich-Erzähler und anderen Figuren in der Er/Sie-Form geschrieben. Die Kapitel dieser Figuren lesen sich wie Kurzgeschichten und verdichten die lange Erzählung Chavis‘. T.J. Forrester, der selbst begeisterter Hiker ist, schreibt kurze, knackige Sätze und verzichtet auf alle küstlerischen Schnörkel. Er scheint ein Mann der Tat zu sein, was man seinem Schreibstil anmerkt.

FAZIT: KINGS OF NOWHERE ist sicher kein schlechtes Buch, es weiß zu unterhalten, hat vielschichtige Charaktere und liest sich gut. Aber manche Szenen und Dialoge waren mir zu plakativ, mit zu vielen Klischees beladen, und einige Nebenstories erschienen mir zu bemüht ins Große und Ganze gezwängt worden zu sein. Ich vermisste am Ende der langen Reise auch die eigentliche große Erkenntnis – für Chavis ebenso wie für mich. Stattdessen speist Forrester seine Leser mit einem Hollywood-Showdown ab. Irgendwie unbefriedigend … hmmm … drei Sterne.

Trails warten darauf, gegangen zu werden. Ich spüre sie in mir, die Anziehungskraft, die mich zu ihnen holen will. Ich muss in Bewegung bleiben, kann nicht lange an einem Ort verweilen und weiß nicht, warum.
Eins weiß ich jedoch sicher. Der Tod ist keine Antwort.
Der Tod ist niemals die Antwort. (Seite 235)

3 Gedanken zu “T.J. Forrester | KINGS OF NOWHERE

  1. Hmm, Deinem Fazit kann ich mich nicht anschließen – ich fand das Buch beeindruckend. Vor allem wegen der Leerstellen, die es ließ und ich kann mich noch gut erinnern, obwohl es schon lange her ist, dass ich es gelesen habe. Das alleine zeigt für mich die Qualität des Buches. Aber Geschmäcker sind ja auch verschieden, das unterstütz die Vielfalt 😉 LG

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    • „…das unterstützt die Vielfalt.“ – wie schön! So sehe ich das auch.
      KINGS OF NOWHERE ist ja auch (wie oben erwähnt) kein schlechtes Buch, am Ende fühlte ich mich nur ein bisschen … abgespeist … not satisfied, wie der Russe sagt. 🙂 Viele Szenen bleiben aber in Erinnerung, das ist für mich auch immer ein gutes Zeichen. Von manch anderen Büchern weiß ich nach ein paar Monaten kaum noch etwas.

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      • Ja manchmal hat man einfach Erwartungen an eine Geschichte, die der Autor nicht sieht ;))) Kleiner Scherz. Aber das kann ich nachvollziehen. Und schön ist auch, dass Dir viele Szenen ebenso wie mir noch so im Gedächtnis geblieben sind.

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