Jochen Schmidt | ZUCKERSAND

D 2017 | 206 Seiten
C.H.Beck
ISBN: 978-3-406-70509-0

Klara schrieb mir aus dem Büro, dass ich nicht vergessen sollte, Karl die Zähne zu putzen, wir würden es sonst irgendwann bereuen … (Seite 11)

INHALT: Ein nicht mehr ganz so junger Vater (40+) verbringt einen Tag mit seinem doch recht jungen Sohn (2), geht mit ihm einkaufen und auf den Spielplatz. Der kleine Karl entdeckt die Welt mit staunenden Augen, packt wissbegierig alles an, zieht Hebel, drückt Knöpfe, kein Schalter ist vor ihm sicher. Sein Vater lässt ihn alle Erfahrungen selbst machen, immer mit dem nostalgischen Blick in die eigene Kindheit, als die Welt noch aus unzähligen Mysterien bestand. Diese Enttarnungen, diese Momente, in denen es irgendwo im noch so jungen Oberstübchen Klick! macht, sind immer mit Kernerinnerungen verbunden, und diese möchter er seinem Sohn nicht verwehren.Weiterlesen »

Jami Attenberg | SAINT MAZIE

USA 2015 | 377 Seiten
OT: »Saint Mazie«
aus dem Amerikanischen von Barbara Christ

Schöffling & Co.
ISBN: 978-3-89561-203-9

Heute habe ich Geburtstag. Ich werde zehn. Dich habe ich geschenkt bekommen. […] Du bist mein New-York-Tagebuch. (Seite 12)

INHALT: Amerika zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Schwestern Rosie, Jeannie und Mazie Phillips finden Zuflucht vor ihrem Vater in der Bowary Road, einer heruntergekommenen Straße im Süden Manhattans, Anziehungspunkt für Bettler, Huren und allerlei zwielichtige Gestalten. Rosie, die älteste, übernimmt fortan die Mutterrolle und kümmert sich um ihre minderjährigen Schwestern so gut es ihr möglich ist. Als Mazie alt genug ist nimmt sie einen Job als Kassenwärterin vor einem Kino an, einen Posten, den sie die nächsten Jahrzehnte nicht mehr verlassen wird. Hier lernt sie die ganze Nachbarschaft kennen, die Gewinner und die Verlierer, Glücksritter, Neureiche, Penner und Banker, Cops und Kriminelle. Doch ob jung oder alt, arm oder reich – Mazie hat für jeden etwas übrig, und wenn es nur ein wärmender Händedruck ist.

Als die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die darauf folgende Große Depression das Land bis ins Mark erschüttert, zwingt es in New York auch die Reichsten in die Knie. Die Zahl der Obdachlosen steigt akut, Krankheiten verbreiten sich, die Bowary gleicht einem Lazarett – das ist Mazies Stunde. Durch die dubiose Hinterlassenschaft ihres Schwagers finanziell gut aufgestellt, macht sie sich auf durch die stinkende Gosse, um den Armen zu helfen, lässt sie kostenlos in ihrem Kino übernachten, schenkt ihnen Geld und Seife, unterstützt sie beim Neuanfang. Ohne es darauf angelegt zu haben, wird sie zur Königin der Bowary, der Heiligen Mazie. Doch die Aufopferung hat ihren Preis – das Einzige, was Mazie verwehrt bleibt, ist die wahre Liebe.Weiterlesen »

Simon Strauß | SIEBEN NÄCHTE

D 2017 | 140 Seiten
Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05041-2

Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor, gar nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. (Seite 11)

INHALT: S., der Ich-Erzähler, hat mit Ende zwanzig viel erreicht. Er kann nicht klagen – er ist klug und gebildet, Schule und Studium waren ein Klacks und der Karriere steht nichts mehr im Weg. Und doch wächst in ihm seit Längerem eine seltsame Furcht vor der Zukunft. Er hat Angst davor, zu leicht aus seiner Jugend zu gleiten in die Tristesse der Erwachsenenwelt, ohne Schrammen, ohne Narben, ohne je gesündigt zu haben. In einer blauen Stunde vertraut er sich T. an, einem Fremden, der diese Phase bereits hinter sich hat, und sie schließen einen Pakt: In den kommenden Monaten soll sich S. den sieben Todsünden hingeben. Sie bewusst zu suchen, zu begehen und dann über sie zu schreiben, dafür hat er je eine Nacht, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr früh.Weiterlesen »

Jonas Lüscher | KRAFT

CH 2017 | 237 Seiten
C.H.Beck
ISBN: 978-3-406-70531-1

Das Rumsfeldporträt hängt direkt in Krafts Blickachse. (Seite 5)

INHALT: Nicht weniger als eine Million Dollar wartet auf denjenigen, der die beste Antwort auf die Frage liefert, warum alles, was ist, gut ist und wie es dennoch verbessert werden kann. Perfektes Timing, denn Richard Kraft, angesehener Rhetorikprofessor an der Universität Tübingen, steht das Wasser bis zum Hals. Sowohl finanziell als auch privat ist es nicht gut bestellt um Kraft, dem eine teure Scheidung droht. Also macht er sich auf den Weg an die Stanford University nahe San Fransisco um am Philosophenwettstreit teilzunehmen und die Freiheit nach Hause zu holen. Doch in Kalifornien angekommen, stellt sich bei Kraft sofort eine lähmende Schreibblockade ein, die ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Weiterlesen »

Neil Smith | DAS LEBEN NACH BOO

CDN 2015 | 414 Seiten
OT: »Boo«
aus dem Englischen von Brigitte Walitzek
Schöffling Co.
ISBN: 978-3-89561-496-5

Habt ihr euch schon einmal gefragt, liebe Eltern, womit sich die Engel im Himmel die Zähne putzen? Ich kann es euch sagen. Mit doppeltkohlensaurem Natron, das wir auf unsere Zahnbürsten streuen. (Seite 7)

INHALT: Oliver Dalrymple – wegen seiner blassen Haut von allen nur Boo genannt – staunt nicht schlecht, als ihm in der Schule plötzlich die Lichter ausgehen. Eben steht er noch vor seinem Spind und versucht die Elemente des Periodensystems auswendig aufzusagen und ZACK! schon ist er tot. Aber irgendwann musste es ja so kommen, denn mit einem Loch im Herzen ist die Lebenserwartung naturgemäß eher gering.

Boo erwacht in einer riesigen, abgeschotteten Stadt, die nur mit Dreizehnjährigen bevölkert ist. Tausende amerikanische Kids an der Schwelle zur Jugend, die zu früh aus ihrem Leben scheiden mussten, sei es durch Krankheiten, Unfälle oder Gewaltverbrechen. Sie bleiben für fünfzig Jahre in ihrem Alter stecken bis sie mit einem PUFF! aus ihrem Nachleben verschwinden, so als ob es sie nie gegeben hätte. Die Geschicke der Stadt werden von einer Gottheit namens Zig gelenkt, den die Kids nie zu Gesicht bekommen, den sie sich aber als abgehalfterten Hippie vorstellen – wirrhaarig, fusselbärtig, mit Batik-Shirt und immer etwas stoned.Weiterlesen »

Barney Norris | HIER TREFFEN SICH FÜNF FLÜSSE

GB 2016 | 320 Seiten
OT: »Five Rivers Met on a Wooden Plain«
aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-8321-9850-3

Lange bevor der im Tal vor sich hinplätschernde Ärmelkanal anschwoll und aus England eine Insel machte, bevor die ersten Siedler eintrafen und begannen das umliegende Land in Besitz zu nehmen, von Höhenweg zu Berg zu Hügel Baumstämme verlegten, um Pfade in die Sumpflandschaft zu schlagen, ereignete sich im grünen Süden Wiltshires etwas höchst Merkwürdiges. (Seite 11)

INHALT: Im beschaulichen Salisbury, einer Kleinstadt im Süden Englands, fließen fünf Flüsse ineinander, und es sind die Schicksale fünf unterschiedlicher Menschen, deren Wege sich eines Abends in Salisbury kreuzen. Rita, die alternde Blumenhändlerin, deren Leben in Scherben liegt; der junge Sam, der in einem Gefühlschaos lebt, weil er zum ersten Mal die Liebe entdeckt während sein Vater im Sterben liegt; George, der Bauer, der gerade seine Frau verloren hat; Alison, die als Theaterschauspielerin Erfolge feiert, während sie an ihrer Einsamkeit fast vergeht; und Liam, der Nachtwächter, der nach irgendeinem Sinn in seinem Leben sucht.Weiterlesen »

Raymond Queneau | STILÜBUNGEN – Eine Lesung

F 1947 | 224 Seiten
OT: »Exercices de Style«
neu übersetzt von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Bibliothek Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-22495-3

Letzten Dienstag gab es in Rostock eine ganz besondere Lesung. Die Andere Buchhandlung lud in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Rostock, dem Institut français und dem Institut für Romanistik zu einer Straßenbahnfahrt durch die Stadt ein. Gelesen wurde aus Raymond Queneaus grenzensprengendem Werk STILÜBUNGEN, und zwar vom preisgekrönten Übersetzter Frank Heibert höchstselbst. Doch zunächst erstmal zum …

INHALT: (Vorsicht: Spoiler!) Ein Mann fährt in einem vollbesetzten Linienbus durch Paris. Dort bemerkt er einen jungen Kerl, der sich lautstark darüber aufregt, dass er ständig von anderen Mitreisenden angerempelt wird. Wie es der Zufall will, sieht er diesen Typen zwei Stunden später in der Stadt wieder. Dort lungert dieser mit einem Freund rum, der ihm rät, einen zusätzlichen Knopf an den Mantel nähen zu lassen. (Ach du Schande! Jetzt hab ich das Ende verraten.)Weiterlesen »