Morton Ramsland | DIE LEGENDE VOM GOLDENEN EI

DK 2017 | 276 Seiten
OT: »Æg«
Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg
Schöffling & Co.
ISBN: 978-3-89561-422-4

Sie fanden mich unten im Moos, umschlungen von einer Baumwurzel, die aus dem Erdhaufen ragte. (Seite 7)

Vor einigen Jahren legte Morten Ramsland mit seinem Roman HUNDSKÖPFE eine grandiose Familiensaga hin, die für mich ganz eindeutig zu den Büchern des Jahres gehörte. Der Folgeroman SUMOBRÜDER konnte mich dagegen nicht überzeugen – eine Orgie der Gewalt unter Schulkindern ohne tieferen Sinn. Nun hat er mit DIE LEGENDE VOM GOLDENEN EI eine Art Märchengeschichte vorgelegt, nach deren Klappentext ich nicht lange gefackelt und zugegriffen habe.Weiterlesen »

Saskia Hennig von Lange | HIER BEGINNT DER WALD

D 2018 | 150 Seiten
Jung und Jung
ISBN: 978-3-99027-216-9

Jetzt sitzt er hier und würde doch lieber woanders sitzen. (Seite 5)

Ein Mann ist mit einem Lastwagen unterwegs auf der Autobahn, um Umzugsgüter fremder Leute von einer in die andere Stadt zu transportieren. Doch in Wirklichkeit ist er auf der Flucht – vor seiner Frau, vor dem ungeborenen Kind, vor seiner Zukunft. Ständig in Gedanken und völlig abgelenkt baut er einen Unfall, verbringt eine Nacht im Krankenhaus und flieht anschließend mit dem demolierten Laster in den Wald. Dort macht er sich über die Umzugskartons her, findet Klamotten, mit denen er sich kleidet, und Fotoalben, in denen er sich eine alternative Lebensgeschichte zusammenbastelt. Eine traurige Figur, ein Aussteiger, der Rettung in einer Einsamkeit sucht, für die er nicht gemacht ist.Weiterlesen »

Barbara Rieger | BIS ANS ENDE, MARIE

A 2018 | 205 Seiten
Kremayr & Scheriau
ISBN: 978-3-218-01120-4

Als ich wieder zu Bewusstsein komme, steckt etwas in meiner Vagina. (Seite 5)

Fetter erster Satz. Haut rein wie ein Preisboxer. Wer jetzt schon nicht gefangen ist, wird’s auch nicht mehr werden, denn die Geschichte um die Hassliebe zwischen der namenlosen Ich-Erzählerin und ihrer Freundin Marie hat es in sich, und das sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Barbara Rieger (*1982) zeigt sich in ihrem Debütroman experimentierfreudig, bedient sich gekonnt allen möglichen Stilmitteln und spielt mit ihren Lesern Katz und Maus.Weiterlesen »

Donald Ray Pollock | DAS HANDWERK DES TEUFELS

USA 2011 | 303 Seiten
OT: »The Devil All The Time«
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Verlagsbuchhandlung Liebeskind
978-3-3-935890-85-4

An einem trüben Vormittag gegen Ende eines nassen Oktobers eilte Arvin Eugene Russell seinem Vater Willard am Rand einer Weide hinterher, von der aus man eine lange und felsige Senke namens Knockenstiff im südlichen Ohio überblicken konnte. (Seite 5)

»Vorsicht: Ganz harter Tobak«, meinte mein Freund, als er mir diesen Roman in die Hand drückte. Und er hatte damit nicht übertrieben, wie ich spätestens nach hundert Seiten merkte. Was Daniel Ray Pollock (*1954) in DAS HANDWERK DES TEUFELS in Romanform gießt, ist eine stinkende Brühe moralischer Verwerfungen und brutaler Morde, gewürzt mit elendiger Hoffnungslosigkeit in einer Zeit, in der ein Menschenleben keinen Penny Wert zu sein scheint.Weiterlesen »

Wolfgang Herrndorf | SAND

D 2011 | 480 Seiten
Rowohlt Berlin
ISBN: 978-3-87134-734-4

Auf der Lehmziegelmauer stand ein Mann mit nacktem Oberkörper und seitlich ausgestreckten Armen, wie gekreuzigt. (Seite 7)

Nordafrika, 1972. Ein Mann kommt in einer Scheune mitten in der Wüste zu sich. Sein Schädel dröhnt und hat eine ordentliche Platzwunde, und der Mann kann sich nicht erinnern, wie er in diese Scheune gekommen ist. Schlimmer noch: Nicht einmal sein Name fällt ihm ein – jegliche Erinnerung an die Zeit vor dem Erwachen ist gelöscht. Was der Mann jedoch relativ schnell erfasst, ist, dass er von sehr gefährlichen Leuten verfolgt wird und vor ihnen fliehen muss. In seiner aussichtslosen Situation – in einem scheinbar fremden Land in dem er niemanden (er-)kennt und sich an nichts erinnert – läuft er an einer Tankstelle der Amerikanerin Helen über den Weg, die ihn mit in ihr Urlaubsdomizil nimmt und weitestgehend gesund pflegt. Sie nennt ihn Carl, nach dem Namensschild in seinem Anzug. Weiterlesen »

Ernst Augustin | ROBINSONS BLAUES HAUS

D 2012 | 314 Seiten
C.H.Beck
ISBN: 978-3-406-62996-9

In einer früheren, ferneren Version dieser Geschichte sagt Daniel Defoe, er habe eines der unglaublichsten und abenteuerlichsten Leben gelebt.
Ich sage: Ich auch. (Seite 5)

Normalerweise beginne ich meine Rezensionen mit einer Art Inhaltsangabe. Aber was, wenn sich mir der Inhalt eines Romans von Anfang bis Ende verschließt? Versteht mich bitte nicht falsch: Dieses Buch ist genial! Es ist großartig geschrieben und hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Aber worum es wirklich geht? Ich muss ganz ehrlich sein: Ich habe keine Ahnung.Weiterlesen »

Steven Uhly | GLÜCKSKIND

D 2012 | 256 Seiten
Secession Verlag
ISBN: 978-3-905951-16-5

Wieder so ein Scheißtag. (Seite 7)

Hans – ein erwerbsloser Endfünfziger, der schon vor Jahren von seiner Familie verlassen wurde und seitdem eifrig an seiner Verwahrlosung arbeitet – staunt nicht schlecht, als er eines Tages ein Baby in einer Mülltonne findet. Er nimmt es mit in seine armselige Wohnung und so beginnt für ihn ein neues Leben. Er schneidet sich die speckige Matte, trennt sich von seinem Karl-Marx-Bart, räumt die Wohnung auf und macht Schluss mit dem Saufen. Sein spärliches Hartz-IV-Geld gibt er jetzt für das Mädchen aus, das er Felizia nennt: »Die Glückliche«. Doch schon bald fragt man sich, wer hier das eigentliche Glückskind ist.Weiterlesen »