Katie Hale | MEIN NAME IST MONSTER

UK 2019 | 384 Seiten
OT: »My Name is Monster«
Aus dem Englischen von Eva Kemper
Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-397469-0

Wenn die Welt in Flammen steht, vergisst man leicht, dass es Eis gibt. (Seite 9)

Die Liste der Romane, die den letzten Mensch auf Erden beschreiben, ist lang. Prominentestes Beispiel ist sicher Richard Mathesons Science-Fiction-Klassiker ICH BIN LEGENDE. Im deutschsprachigen Raum waren es Herbert Rosendorfer mit GROSSES SOLO FÜR ANTON und Thomas Glavinic mit DIE ARBEIT DER NACHT, die dieses Themenfeld beackert haben. Und auch, wenn sie von der Grundidee etwas abweichen, kann man Heinz Helle mit EIGENTLICH MÜSSTEN WIR TANZEN, Thomas Lehr mit 42, Andy Weir mit DER MARSIANER und Cormac McCarthy mit DIE STRASSE dazurechnen. Der Grundgedanke ist immer derselbe: Jemand oder eine Gruppe ist allein auf einem riesigen Gebiet oder gar einem ganzen Planeten. Als Urheber dieses Gedankens gilt Daniel Defoe, der mit seinem Roman ROBINSON CRUSOE eine ganze Literaturgattung erschuf: Die Robinsonade, die somit gut dreihundert Jahre alt ist. Nun hat sich die Britin Katie Hale (*1990) an den Stoff gewagt, und die große Frage ist: Hat sie diesem vielbesprochenen Thema etwas Neues beizusteuern? Die Antwort in diesem Fall lautet …Weiterlesen »

Pedro Mairal | AUF DER ANDEREN SEITE DES FLUSSES

ARG 2016 | 173 Seiten
OT: »La uruguaya«
Aus dem argentinischen Spanisch von Carola S. Fischer
mare Verlag
ISBN: 978-3-86648-603-4

Du hast mir gesagt, dass ich im Schlaf gesprochen habe. (Seite 5)

Der Río de la Plata – der Fluss, der die beiden Staaten Argentinien und Uruguay voneinander trennt. An der Mündung, wo sich der Fluss in einem gewaltigen Trichter in den Südatlantik ergießt, erstrecken sich auf beiden Seiten die Hauptstädte Buenos Aires und Montevideo, zwei schillernd-pulsierende Metropolen und der ganze Stolz ihrer Nationen.Weiterlesen »

Lucia Leidenfrost | WIR VERLASSENEN KINDER

A 2020 | 192 Seiten
Kremayr & Scheriau
ISBN: 978-3-218-01208-9

Wir umarmen uns zum Abschied, stecken nach der Umarmung unsere Hände in die Hosentaschen, als würden wir so die Berührung von Mutters Rücken und Vaters Schultern in den Händen behalten können. (Seite 5)

William Golding (1911-1993) schrieb sich einst mit seinem Erfolgsroman HERR DER FLIEGEN in den Kanon der modernen Literatur. Wir erinnern uns: Auf einer Insel in der Südsee strandet eine Gruppe Kinder, die im Laufe der Wochen ohne die Aufsicht von Erwachsenen instinktiv eine brutale Hackordnung einführen. Ein ganz ähnliches Setting wählt Lucia Leidenfrost (*1990) für ihren ersten Roman WIR VERLASSENEN KINDER.Weiterlesen »

Tanya Tagaq | EISFUCHS

CDN 2018 | 200 Seiten
OT: »Split Tooth«
Aus dem Englischen von Caroline Burger

Verlag Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-95614-353-3

Manchmal, wenn die Betrunkenen aus der Kneipe nach Hause kamen, versteckten wir uns im Schrank. (Seite 11)

Meistens bin ich mit Büchern nach der Lektüre im Reinen. Sie gefallen mir oder auch nicht oder nur so lala, im Normalfall kann ich das jedenfalls einigermaßen begründen. Aber manchmal – eigentlich sehr selten – lehne ich mich nach dem letzten Satz eines Buches zurück und frage mich: »Was zum Geier war das denn, bitteschön?« EISFUCHS, der Debütroman der kanadischen Musikerin Tanya Tagaq, ist ein solcher Fall.Weiterlesen »

Franziska Hauser | DIE GLASSCHWESTERN

D 2020 | 430 Seiten
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0045-0

Keiner der anderen Restauratoren war je irgendwo runtergefallen. (Seite 7)

Die beiden Zwillingsschwestern Dunja und Saphie stehen kurz vor ihrem 40. Geburtstag und bis auf die üblichen Schwierigkeiten scheint alles einigermaßen im Lot zu sein, als das Unfassbare passiert: Beide Ehemänner sterben zur selben Zeit unabhängig voneinander – der eine fällt nach einem Ausrutscher vom Dach, der andere kippt mit einem Schlaganfall vom Hometrainer. Zunächst hält sich die Trauer in Grenzen – Dunjas Winne war ein Trottel, Saphies Gilbhard ein Säufer –, größer ist eher die Verwunderung über den Zufall der Gleichzeitigkeit.Weiterlesen »

Jasmin Schreiber | MARIANENGRABEN

D 2020 | 253 Seiten
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0042-9

Dein allerallerallerliebstes Tier war der Gespensterfisch – bei dir mussten es immer mindestens drei »aller« sein, wenn dir etwas ganz besonders wichtig war. (Seite 8)

Die junge Biologie-Studentin Hannah trauert um ihren kleinen Bruder, der bei einem Urlaub am Meer ertrunken ist. Auf den ersten Blick ist das völlig natürlich und aus psycho-hygienischen Gründen sehr gesund, allerdings liegt der Unfall schon zwei Jahre zurück und Hannah kommt nicht heraus aus ihrer Trauer, die so tief, dunkel und kalt ist wie der Marianengraben. Hannah ist depressiv und – auch wenn sie das nicht laut ausspricht – ihres Lebens müde. Jeder Versuch, aus dieser Tiefe aufzutauchen, misslingt schon im Ansatz – nicht einmal zum Grab ihres Bruders hat sie es in all der Zeit geschafft, weil sie sich ihrer Trauer vor anderen Leuten schämt. Weiterlesen »