Daniel Kehlmann | DIE VERMESSUNG DER WELT

D 2005 | 300 Seiten

INHALT: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß, zwei der größten Wissenschaftler ihrer Zeit, können unterschiedlicher nicht sein: Während es Humboldt in ferne Länder zieht und er alles messen und untersuchen, anfassen und sammeln muss, reicht Gauß ein Bleistift und ein Blatt Papier, um die Welt zu verstehen. Bei einer Forschertagung in Berlin treffen die beiden gealterten Genies erstmals aufeinander und tauschen ihre Erfahrungen aus.

FAZIT: Um es vorwegzunehmen, ich mag Herrn Kehlmann nicht. Ich finde ihn furchtbar unsympathisch. Seit der Veröffentlichung von DIE VERMESSUNG DER WELT wird er bei jedem seiner Bücher in dem Himmel gelobt, zum Genie erklärt und ist in allen Medien praktisch omnipräsent. Ich frage mich wirklich, woran das liegt.

Nun habe ich zum ersten Mal diesen Dauerseller gelesen, um den ich mich wirklich sehr lange gedrückt habe, und muss sagen: Hä? Das soll alles sein? Sicher, das ist nicht schlecht geschrieben (die Idee mit der indirekten Rede ist toll) und auch der versprochene stille Humor war vorhanden. Aber was noch? Ich habe gesucht und gesucht, mehr ist da nicht. Wenn Herr Kehlmann immer als literarisches Wunderkind betitelt wird, wo ist dann das Wunder? In diesem Roman jedenfalls nicht. Bis auf eine Handvoll Sätze, in denen man so etwas wie Poesie erkennen kann, und ein paar Lacher ist hier wenig zu finden.

In Kehlmanns widerlich neunmalklugen Buch LOB erkennt man seine Affinität zur postmodernen Literatur. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er seinen großen Idolen so genau wie möglich nacheifern will. DIE VERMESSUNG DER WELT hat Parallelen zu Pynchons MASON & DIXON, RUHM hat denselben Aufbau wie Mitchells CHAOS, und sein jüngster Streich F, man ahnt es schon, klingt ein bisschen zu sehr nach Pynchons Erstling V – Kehlmann ist der Tarantino der Literatur: Mit einem Abklatsch nach dem anderen so erfolgreich wie kaum jemand. Das kann man mögen, muss es aber nicht.

Ich gebe der VERMESSUNG DER WELT zwei versöhnlich gut gemeinte Sterne; mehr ist nicht drin. Ich werde meiner Linie treu bleiben und um Kehlmann-Ergüsse weiterhin einen großen Bogen machen.

Ein Gedanke zu “Daniel Kehlmann | DIE VERMESSUNG DER WELT

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