Arno Schmidt | DAS STEINERNE HERZ

D 1956 | 200 Seiten

INHALT: In DAS STEINERNE HERZ geht es um den bibliophilen Sammler Walter Eggers, der auf der Suche nach den antiken ‚Hannoverschen Staatshandbüchern‘ ist. Er wird bei Familie Thumann in Ahlden fündig und beschließt insgeheim die Bücher zu stehlen. Eine Liaison mit Frieda Thumann, eine Reise nach Ostberlin und ein wertvoller Goldfund hindern ihn jedoch daran.

FORM: Das hervorstechendste Merkmal dieses Romans ist die lautmalerische und innovative Prosa. Jeder Absatz sprüht vor Energie. Nichts wird einfach nur beschrieben – es wird neu erfunden. Witzige Wortzweckentfremdungen (»Weibliches […] beinte heran.« oder »Schneider Knopp brillte mich furchtbar an.«), Satzzeichen als Teil der Beschreibungen (»Klopfen: !, !, !, –: Nichts.«).«), geschriebener Dialekt (»Och bin ich müüüde. Unn kald iss ‚as hier!«) – Arno Schmidt war ein Neuerfinder der Sprache. Überfrachtet wird das alles mit einer Unmenge Spezialwissen über das Hannoversche Königshaus.

FAZIT: Zum Ende hin habe ich kurzzeitig den Faden verloren; Schmidts Sprachspiele machen es einem manchmal nicht ganz leicht, am Ball zu bleiben. Dennoch war ich von der eigentümlichen Prosa sehr fasziniert und begeistert. Arno Schmidt war mir natürlich ein Begriff (der mächtige Schatten seines Monstrums ZETTELS TRAUM liegt schon ewig auf meinem Bücherschrank), ich hatte mich aber nie so recht herangetraut. Jetzt aber ist der Knoten geplatzt, und ich komme zum Urteil: Ich brauche mehr davon! Fünf Sterne

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