Jennifer Egan | DER GRÖSSERE TEIL DER WELT

USA 2010 | 385 Seiten

INHALT: DER GRÖSSERE TEIL DER WELT ist ein Episodenroman, wie ihn die Amerikaner lieben … und ich auch. Die einzelnen Kapitel, die ganz bequem auch als eigenständige Kurzgeschichten durchgehen könnten, beschreiben ein Dutzend Figuren im Dunstkreis von Bennie Salazar, einem Musikproduzenten in New York City. Die Handlungen gehen quer durch die sozialen Schichten, ebenso wie durch die Jahrzehnte. Manche Kapitel spielen in den 1980ern, andere in den 2020ern. Jennifer Egan versteckt überall kleine Hinweise, legt Spuren, denen der Leser folgt, um mehr über die Zeit und die Verbindungen der Personen zu erfahren. Durch den Trick mit den Zeitsprüngen verändert sich ständig das Verhältnis Leser-Figur. Die Figur wird zu verschieden Zeiten aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, was eine enorme Entwicklung zur Folge hat. Bei einem Kapitel sagt man noch: »Alter, was hat DER denn für ein Problem!« – zwei, drei Kapitel später werden die Gründe geliefert: »Achso, na dann ist ja kein Wunder!«

FORM: Nicht nur die Figurenentwicklung ist großartig gelungen, auch das Handwerkliche kommt nicht zu kurz. Egan verwendet wechselnde Erzählperspektiven (Ich-Form, Er/Sie-Form, sogar die Du-Form taucht auf) und scheut sich auch nicht, Neuland zu betreten: Das komplette Kapitel 12 ist eine 75-seitige Powerpoint-Präsentation! Und das ist nicht nur billige Effekthascherei, nein, es funktioniert – Kapitel 12 hat einige der intensivsten Szenen überhaupt.

FAZIT: Ein wunderbares Buch – 5 Sterne

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