E. O. Chirovici | DAS BUCH DER SPIEGEL

USA 2017 | 382 Seiten
OT: »The Book of Mirrors«
Deutsch von Silvia Morawetz und Werner Schmitz
Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-31449-2

Ich bekam das Schreiben im Januar, als alle in der Agentur sich noch von ihrem Festtagskater zu erholen versuchten. (Seite 9)

INHALT: Der Literaturagent Peter Katz bekommt per E-Mail ein Manuskript zugeschickt. Der Absender, ein erfolgloser Schriftsteller namens Richard Flynn, schildert darin Begebenheiten aus seiner Zeit an der Princeton University vor fast dreißig Jahren. Er schreibt von seiner Freundin Laura und dem charismatischen Dozenten Joseph Wieder, Professor für Psychologie. Flynns Manuskript endet ohne Erklärung mit dem Tod Wieders und Katz wird klar, dass es sich hierbei nicht um einen Romanbeginn handelt, sondern um das Geständnis eines Gewaltverbrechens, das nie aufgeklärt wurde. Als er mit dem Autor Kontakt aufnehmen will, kommt er zu spät: Flynn ist kürzlich an einer Krankheit gestorben. Katz weitet seine Recherchen aus, beschäftigt einen Journalisten, der Zeitzeugen findet und den damals ermittelnden Polizisten, der mittlerweile im Ruhestand ist – doch je mehr Leute befragt werden, desto mehr Fragen tauchen auf. Vor allem aber die Frage, ob man seinen Erinnerungen nach so vielen Jahren noch trauen kann.

FORM: Eugen Ovidiu Chirovici (*1964) besticht in diesem Kriminalroman durch die Komposition seiner Geschichte. Das Buch ist ein Dreiteiler, wobei jeder Teil aus der Perspektive einer anderen Figur geschrieben ist, die sich mit dem Fall Wieder beschäftigt. Zunächst Katz, der Literaturagent – Flynns Manuskript nimmt aber den meisten Raum ein –, dann John Keller, der Journalist, und schließlich Roy Freeman, der Ex-Polizist. Die Dreiecksbeziehung zwischen Wieder und seinen beiden Studenten wird dadurch ständig in neues Licht getaucht und wir Leser müssen aufpassen, dass wir uns zwischen all den Vermutungen und Anschuldigungen nicht verrennen. So weit, so gut.

Allerdings war’s das auch schon mit den Lorbeeren, denn ansonsten hat das Buch absolut nichts zu bieten. Die Figuren sind flach – und bleiben es auch – und die Dialoge sind unerträglich hölzern. Es werden unzählige Klischees bedient, die Vergleiche sind extrem abgegriffen und die Metaphernrate geht gegen Null. Gekrönt wird das Ganze noch von einem unfassbar dümmlichen Ende. Keine Tiefe, kein Esprit, kein Lesespaß.

Ich will offen sein: Ich bin kein Krimileser – und somit auch kein Krimikenner – aber dieser Roman schrammt schon hart an der Grenze zum Schund. Es ist mir unverständlich, dass DAS BUCH DER SPIEGEL soviel Aufmerkamkeit bekommen konnte und ein Kritiker wie Denis Scheck – dessen Meinung ich sehr schätze und meistens auch teile – das »hohe Niveau« des Romans bejubelt. Also ich sehe da nix außer einem lahmen Krimi von der Stange.

FAZIT: Gut komponiert, schlecht geschrieben. Literarisch irrelevant – 2 Sterne.


eoc-dbdsDas Buch erschien beim Goldmann-Verlag. Alle weiteren Informationen über den Roman findet Ihr hier. Und noch eine kleine Bitte: Kauft Bücher in Euren Buchhandlungen vor Ort. Die Online-Riesen sind schon satt genug und Eure Innenstädte werden es Euch danken.

7 Gedanken zu “E. O. Chirovici | DAS BUCH DER SPIEGEL

    • Da sagst Du was; die Lesezeit war nämlich auch noch so eine Mogelpackung. Das Buch sieht recht wuchtig aus; knapp 400 Seiten sind zwar noch kein Wälzer, aber auch kein Schmalhans mehr. Der Seitenspiegel aber ist mit 26 Zeilen pro Seite äußerst großzügig gehalten und das Papier enorm dick. Man kommt also schneller durch das Buch als angenommen. Leser, die darauf vielleicht nicht so achten, könnten vielleicht meinen, Chinovicis Schreibstil wäre so gut gewesen, dass sie so schnell durchs Buch reiten konnten. Ich nenne sowas psychologische Vermarktungsstrategie.
      However … Beste Grüße von der Ostsee! Bookster HRO

      Gefällt 1 Person

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