Marcus Fischer | DIE ROTTE

A 2022 | 282 Seiten
Leykam Verlag
ISBN: 978-3-7011-8251-0

Weil man bei einer jungen Frau immer fragt, warum.

(Seite 6)

Ich sitze ein wenig in der Klemme. Der Deal beim Buchbloggen ist ja: Ich bekomme ein Exemplar eines Buches, der Verlag bekommt dafür eine Rezension. Ob die Besprechung nun positiv, negativ oder durchwachsen ausfällt, ist dabei nebensächlich, Hauptsache das Buch wird besprochen. Nun habe ich aber mit DIE ROTTE ein Buch erwischt, bei dem sich bei mir gar nichts tut. Ich habe es gelesen, viele Stellen sogar mehrmals, aber es hat sich bei mir nichts gerührt. Ich fand es weder gut noch schlecht, kann es nicht loben aber auch nicht verreißen. Ich habe es eine Woche liegen gelassen, damit sich die Lektüre irgendwie in mir legt, sich auf eine Art ordnet, damit ich sie bewerten kann. Dann habe ich in dem Buch geblättert und konnte mich an nichts mehr erinnern. Es ist nichts hängen geblieben… O Mann, was mache ich denn nur mit so einem Ausreißer?

Ich versuch’s mal mit etwas Inhaltsangabe. Mit der titelgebenden Rotte ist ein kleines Dorf in den österreichischen Bergen gemeint, also die paar Leute, die da wohnen. So richtig urig und alpin, oben der Hausberg samt Basaltwerk, unten der eisige Ferchkogelsee und dazwischen die Schneebergers, die Reisingers, die Firnbichlers und andere. Es sind die Siebziger Jahre und der Reisinger Hannes – der Vater der jungen Elfi – kommt eines Nachts nicht von seiner Sauftour zurück, und wird irgendwann im Ferchkogelsee gefunden, wo schon viele andere ihr Leben ließen. Elfi und ihre Mutter Lisbeth müssen den Hof nun allein führen, was schon mit dem Vater kein Zuckerschlecken war. Misstrauisch beäugt werden sie dabei von den anderen Familien, ganz besonders als sich mit dem Kehrtegger Franz – Elfis Verehrer – ein Neuling in die alteingesessene Rotte mischt. Noch mehr Unruhe kommt auf, als der Firnbichler Erwin der Reisinger Elfi mit unverschämt billigen Kaufangeboten für ihren Hof auf die Pelle rückt…


Ach ich weiß nicht… DIE ROTTE soll so etwas wie ein Heimatroman sein. Ich glaube, das größte Problem für mich ist es, dass die beschriebene Heimat nicht meine ist. Dorfgeschichten aus dem platten Norden gehen mir naturgemäß leichter ans Gemüt. Als waschechtem Küstenkind fiel es mir wirklich schwer, mich auf irgendetwas in diesem Roman einzulassen. So etwas kann passieren und ich möchte – und kann – das dem Autor Marcus Fischer auch nicht in Rechnung stellen. Dennoch finde ich, dass man sich in Heimatromanen auch dem Publikum öffnen sollte, die in anderen Gegenden groß geworden sind. Man liest doch meistens, um etwas zu erfahren, was man vorher noch nicht wusste. DIE ROTTE dagegen verschließt sich dem Rest der Welt, will für sich bleiben (nicht zuletzt durch diesen breiten, an vielen Stellen fast unverständlichen Bergdialekt, in dem der ganze Text geschrieben ist). Für Österreich sicher eine literarische Bereicherung, für mich eher nichtssagend. Schade…


DIE ROTTE erschien im Leykam Verlag, dem ich natürlich trotzdem für das Rezensionsexemplar danke. Mit einem Klick aufs Coverbild kommt ihr zur Verlagsseite, wo Ihr Informationen über Buch und Autor, sowie eine Leseprobe findet.

Eine kleine Bitte noch: Kauft Bücher in Euren Buchhandlungen vor Ort. Die Online-Riesen sind schon satt genug und Eure Innenstädte werden es Euch danken.

5 Gedanken zu “Marcus Fischer | DIE ROTTE

  1. Das ist schade, dass dir das Besondere dieses Buches verschlossen geblieben ist, aus welchen Gründen auch immer. Auch ich komme von der Küste (Norddeutschland), habe aber weder mit dem Bergdorf, noch mit dem , wie du es nennst“ unverständlichen Bergdialekt“ ein Problem gehabt. Im Gegenteil sogar. Ich habe mich vollkommen in eine andere Welt und Zeit versetzt gefühlt und bin daraus erst wieder aufgetaucht, als der Roman zuende war. (Das war ziemlich bald, denn ich habe ihn regelrecht verschlungen, weil ich die Geschichte so spannend gefunden habe) Durch die besondere Sprache, die Marcus Fischer als Stilmittel verwendet, wirkt es fast so, als bekäme man die Geschichte persönlich mündlich erzählt. Dadurch sie liest sich leicht und flüssig, trotz der unerträglichen Schwere der Protagonistin Elfie, die vom Autor feinfühlig und fast liebevoll beschrieben wird und an deren Verwandlung wir hier teilnehmen. Prädikat: Ein sprachlicher Lichtblick, äußerst spannend (fast krimihaft)!

    Gefällt 1 Person

    • Danke für Dein Feedback! Ja, fand ich auch schade, dass ich da nicht mehr für mich mitnehmen konnte, aber manchmal soll es wohl einfach nicht sein. Am Ende saß ich einfach nur da und zuckte mit den Schultern. »Und nu?« DIE ROTTE und ich, wir fanden einfach nicht zusammen. Freut mich aber, dass es Dir gefallen hat. LG aus Rostock!

      Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s