Rainer Merkel | LICHTJAHRE ENTFERNT

D 2009 | 203 Seiten
S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-048442-0

Die Hitze ist so stark, lastet so schwer auf einem, dass man sie immerfort beiseiteschieben und wegdrängen will. Ich lasse das Wasser im Bad laufen, während ich im Wohnzimmer vor der orangenen Couch stehe, auf der Judith vor fünf Tagen geschlafen hat. (Seite 11)

INHALT: Der Psychotherapeut Thomas muss sich auf den Weg zum John-F.-Kennedy-Airport in New York City machen, wo er den Flieger zurück nach München noch erwischen will. Er verlässt das Apartment mit dem erdrückenden Gefühl, seine langjährige Freundin Judith nun endgültig verloren zu haben. Aber wie konnte es dazu kommen? Er lässt ihre Beziehung noch einmal Revue passieren, die Höhen und Tiefen, die Glücksmomente, aber auch die Streitigkeiten und nicht zuletzt seine Seitensprünge. An welcher Stelle wurde das große Drama Liebe durch Belanglosigkeiten ersetzt? Und inwiefern sind Schuldzuweisungen sinnvoll? Unter all diesen Überlegungen zögert Thomas die Abreise immer weiter hinaus…

FORM: Merkel schreibt sich in langen Absätzen mäandernd durch die Gedankenwelt seines Protagonisten. Zunächst sind die Erinnerungen noch zusammenhängend und es ist ihnen leicht zu folgen. Zum Ende hin springt Merkel jedoch innerhalb eines Satzes gerne mal zwischen drei, vier Zeiten hin und her, zerhackt einzelne Szenen und verteilt die Bruchstücke auf mehrere Seiten, was technisch aller Ehren wert ist, den Lesefluss aber doch stark hemmt.

FAZIT: Rainer Merkel ist ohne Zweifel ein Schriftsteller, der sein Handwerk versteht und ein gutes Gespür für Atmosphäre und die Innenwelt seiner Charaktere besitzt. Und auch wenn ich für solche nicht-linearen Spielereien eine Schwäche habe, konnte mich dieser Roman nicht so recht packen. Vielleicht war das Thema nicht meins, vielleicht war auch einfach das Interesse nicht da … irgendwie ließ mich das alles kalt. Es gibt tolle Szenen und großartige Sätze, ganz ohne Frage, aber nach der letzten Seite habe ich nur mit Schultern gezuckt und das Buch einfach beiseite gelegt. Schade!
Stilistisch grandios, inhaltlich eher mau – drei Sterne.

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