Kerstin Preiwuß | NACH ONKALO

D 2017 | 230 Seiten
Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-1314-9

Mutter ist weg. Stimmt nicht, sie liegt noch im Bett, aber Matuschek kann nichts anderes mehr denken. (Seite 7)

INHALT: Hans Matuschek hat’s nicht leicht. Seit dem Tod seiner Mutter ist er auf sich allein gestellt. Bislang bestand das Leben aus seinem Beruf als Wetterbeobachter auf einem Provinzflughafen und seinem Hobby, dem Taubenzüchten. Ab und zu mal mit Nachbar Igor zum Angeln auf den See – mehr brauchte er nicht, um glücklich zu sein. Nun aber ist Mutter tot und Matuschek erfährt schmerzlich wieviel mehr dazugehört, ein gutes Leben zu führen. Matuschek ist schon vierzig, hat aber nie gelernt, was zu den grundsätzlichen und alltäglichen Arbeiten gehört, das hat Mutter immer alles geregelt.

Doch der Muttertod ist nicht einzige Schlag, den das Schicksal für Matuschek bereit hält. Auch mit dem Nachbarn Igor und seinem Taubenzüchterfreund Witt muss er harte Prüfungen bestehen. Und die Frauen versteht Matuschek erst recht nicht. Nichts weniger als das echte Leben also erwischt Matuschek mit voller Breitseite und bringt ihn bis an die Grenzen seiner Kräfte und in die völlige Verwahrlosung, aus der es wieder herauszufinden gilt.

FORM: Kerstin Preiwuß (*1980), von Hause aus Lyrikerin, hat in NACH ONKALO auf alles Lyrische verzichtet und schreibt Matuscheks Geschichte in kurzen, klaren Sätzen herunter. Eine Sprache also, die sehr gut zum nordischen Gemüt des Personals passt. Sicher, Matuschek ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber Preiwuß hütet sich davor, ihn ihren Lesern billig vorzuführen, geschweige denn, sich über ihn lustig zu machen. Nein, die Autorin hat ein aufrichtiges und ernsthaftes Verhältnis zu ihrer Figur. Damit verleiht sie Matuschek eine Authentizität und Tiefe, die in jeder Zeile spürbar ist.

Matuscheks Abstieg in die Verwahrlosung, die ihn letztlich fast tötet, habe ich mit atemloser Spannung gelesen. Einzig hier und genau zum richtigen Zeitpunkt zeigt Preiwuß ihr poetisches Können. Diese Szenen zwischen körperlichem Zerfall und delirendem Geist sind dermaßen intensiv, dass ich sie wohl nicht so schnell vergessen werde. Allein diese Seiten sind Grund genug, das Buch zu lesen.

FAZIT: Eine ganz klare Empfehlung also und fünf blank polierte Sterne!

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