Doron Rabinovici | ANDERNORTS

A 2010 | 285 Seiten
Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-42175-8

Sie hoben ab. Er wurde in den Sitz gepreßt. Die Maschine stieg steil empor und zog eine Kurve. (Seite 9)

INHALT: Ethan Rosen und Rudi Klausinger sind unerbittliche Konkurrenten auf dem Gebiet der jüdischen Kultur. Als sie sich wegen eines Nachrufs auf den Holocaust-Überlebenden Dov Zedek mal wieder in die Haare kriegen und sich zu allem Überfluss auf dieselbe Professur an der Universität Wien bewerben, droht ein erneuter Kleinkrieg. Doch Rosen gibt kampflos auf – sein Vater Felix liegt in Tel Aviv im Sterben und braucht dringend eine neue Niere.

Auf der Suche nach einem geeigneten Spender taucht Ethan tief in die Familiengeschichte der Rosens ein und legt nach und nach ein buntes Mosaik frei, das einige Überraschungen für ihn bereit hält. Und auch seine Beziehung zu Klausinger muss er revidieren.

FORM: Doron Rabinovici (*1961) hat mit ANDERNORTS einen typisch jüdischen Roman geschrieben, der im kleinen, familiären Kreis die großen Fragen nach Herkunft und Glauben zum Thema hat. Romane dieser Art kennt man von Philip Roth und Amos Oz, Autoren, die ich großartig finde. Und auch sprachlich kann Rabinovici mithalten: Die Dialoge sind treffsicher wie bei Jonathan Safran Foer und die Familiengeschichte hätte bei Roth nicht bizarrer sein können. Alles gewürzt mit einem ordentlichen Schuss Galgenhumor.

Nur leider brauchte ich viel zu lange, um mit der Geschichte warm zu werden. Die ersten Kapitel spielen in der Upper-Class-Welt österreichischer Intellektueller, mit der wohl die wenigsten Leser wirklich Kontakt haben, was meines Erachtens ein ungünstiger Start in die ansonsten sehr gelungene Familiengeschichte ist. Der Roman holte einfach mich nicht ab, wie man so schön sagt. Gepackt hat mich ANDERNORTS später dann doch noch, allerdings erst mit dem Auftauchen des zwielichtigen Rabbiners (der Ethan bei der Nierensuche helfen kann, wenn der ihm im Gegenzug bei dem Versuch hilft, den Messias zu klonen (mit seinem Samen, denn Ethan soll ein naher Verwandter der Erblinie des Messias sein (Genaaau!))), aber da war das halbe Buch schon rum.

FAZIT: Packend, bewegend, rasant – das sind die drei Schlagworte mit denen der Roman auf dem Umschlag beschrieben wird. Bei packend gehe ich mit, bei bewegend und rasant eher nicht. Versöhnliche vier Sterne.

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