Robert Gwisdek | DER UNSICHTBARE APFEL

D 2014 | 360 Seiten

Und da soll noch einer sagen, der postmoderne Roman sei tot. Nix da! Robert Gwisdek beweist das Gegenteil.

INHALT: Igor ist klug, sehr klug. Er ist so klug, dass er die Welt und die Menschen darin nicht versteht. Als junger Mann macht er einen Selbstversuch, von dem er sich die ersehnten Antworten erhofft: Er verbringt 100 Tage in absoluter Dunkelheit und Stille, und ja, die Antworten kommen. Nach einigen Wochen gleitet er in eine Art spirituelle Innenwelt, ein großes Gebäude mit unendlich vielen Räumen, quasi die Schubladen seines Geistes, angefüllt mit Schuld und Freude und Angst oder auch einfach leer. Er begegnet seinem Schicksal(?), das ihm verrät, was er tun muss und es beginnt ein metaphysischer Abstieg ins eigene Ich.

FORM: Ich habe schon lange kein so vertracktes Buch mehr gelesen. Es ist wie David Lynch in Prosaform. Besonders die zweite Hälfte ist so dermaßen angefüllt mit Bildern, Metaphern und Textspielereien, dass ich mich alle paar Absätze fragte, wo das alles noch hinführen soll. Esoterische Themen wie Meditation und Innere Mitte, Karma und Chakren verpackt in kreative, innovative Literatur. Nach ein paar Kapiteln habe ich angefangen, mir Bleistiftnotizen zu machen, um später Textstellen leichter zu finden und sie zu vergleichen. Anleihen an Kafka, Lynch und auch Kubriks „2001“ sind ganz klar erkennbar. Der Schreibstil ist märchenhaft und wortreich, ohne aufgeblasen zu wirken. Das ist das Debüt Robert Gwisdeks, der gerade erst dreißig geworden ist; ich bin sehr gespannt was da alles kommen wird.

FAZIT: Fünf Sterne, ganz klar!

2 Gedanken zu “Robert Gwisdek | DER UNSICHTBARE APFEL

  1. Entschuldige, dass ich Dir erst jetzt folge. Ein sehr schön gestalteter Blog mit einer Unmenge an Literatur, die ich interessant finde oder gar selbst gelesen habe. Manches sogar auch besprochen. Hier bei Gwisdek bin ich leider ausgestiegen. Wobei ich den Anspruch, den es es hat, schätze. Doch ich bin aktuell einfach zu faul, mich auf Experimentelles einzulassen. Doch er steht noch in Sichtweite auf der Fensterbank. Vielleicht packe ich – nach solcher Anregung wie hier wahrscheinlicher werdend – irgendwann noch mal zu und es packt mich dann auch.

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    • Vielen Dank für das Lob! Schön, dass Dir der Blog gefällt.
      Ab und zu lasse ich mich sehr gerne auf experimentelle Literatur ein und Gwisdek hat hier ganze Arbeit geleistet. Allerdings muss ich, fast zwei Jahre nach der Lektüre, gestehen, dass nicht viel von der »Handlung« hängen geblieben ist. Nur der Rahmen und ein paar Wort- und Textspielereien sind noch abrufbar … naja, bin auch nicht mehr der jüngste. Vielleicht sollte ich mal wieder ein bisschen darin blättern.
      Falls Du Dich nochmal heranwagst: Viel Spaß damit!

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