John Fante | 1933 WAR EIN SCHLIMMES JAHR

USA 1963/1985 | 141 Seiten
OT: »1933 Was a Bad Year«
Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05031-3

Der Winter 1933 war schlimm. Am Abend stieg ich durch Berge von Schnee nach Hause. Meine Zehen brannten, die Ohren glühten, Schneeflocken wirbelten um mich her wie ein Schwarm würender Nonnen. Mitten im Schneesturm blieb ich stehen. Es war Zeit für ein Fazit. (Seite 5)

INHALT: In der Enge der Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo fühlt sich der 17-jährige Dom Molise zu Höherem berufen. Er ist ein Ass im Baseball und hat einen Wurfarm (von allen ehrfürchtig Der Arm genannt), der eindeutig in die Major League gehört. Da gibt es nur ein Problem: Dom ist der Spross italienischer Einwanderer, die finanziell an der Armutsgrenze leben und sich zu Tode schuften müssen, um die Familie zu ernähren. Doms Zukunft als Maurer im kleinen Familienbetrieb ist schon ausgemacht, aber er will auf keinen Fall wie sein Vater enden, ein übler Spieler und Ehebrecher. Dom entwirft einen Plan wie er an die fünfzig Dollar Startkapital kommen kann, um mit seinem Freund Kenny nach Kalifornien abzuhauen und seinen Traum zu verwirklichen.

FORM: Mit seinem unbelehrbaren, sehr talentierten aber furchtbar einfältigen Helden Dom erinnert 1933 WAR EIN SCHLIMMES JAHR ein bisschen an die Landstreicher-Romane von John Steinbeck. Auch das Kleinstadt-Setting während der Weltwirtschaftskrise passt. Fantes Sätze, in der Ich-Form geschrieben, sind klar und einfach, und geben sehr aufrichtig die Gedanken und Wünsche des jungen Dom wieder. Der Erzählton wechselt zwischen absoluter Überheblichkeit (wenn es um Den Arm und Sein Potenzial geht) und totaler Resignation (wenn Dom bewusst wird, wie aussichtslos sein Unterfangen ist). Zwischen diesen zwei Polen pendelt die herzergreifende Story hin und her, und erschafft auf diese Weise eine wunderbar zwiespältige Hauptfigur, die sich locker in eine Reihe mit Hank Chinaski und Daniel Alvarez einfügen darf.

FAZIT: Mir hat der Roman sehr gut gefallen – genau das richtige für eine längere Zugreise. Ich mag diese Geschichten von armen Helden, die trotz ihrer geringen Chancen das Träumen nie aufgeben und nach derben Rückschlägen aufstehen und wieder in die gleiche Kerbe hauen; die ständig das Richtige aus den falschen Gründen oder das Falsche aus den richtigen Gründen machen. John Fante ist mit diesem kleinen Roman genau das gelungen. Die vorliegende Ausgabe ist mit einem sehr persönlichen Nachwort des (Neu-)Übersetzers Alex Capus ergänzt, der Fante neben Raymond Carver und Anton Tschechow zu den größten Idolen seiner Jugend zählt. Schön ist auch, dass sich der Blumenbar-Verlag offenbar zu einer American-Classics-Reihe entschlossen hat, die im April 2017 mit Leonard Gardners FAT CITY in ähnlichem Design fortgesetzt wird.

Für Doms schlimmes Jahr gibt’s von mir 5 Sterne.

3 Gedanken zu “John Fante | 1933 WAR EIN SCHLIMMES JAHR

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