Jon Fosse | DER ANDERE NAME

NO 2019 | 475 Seiten
OT: »Det andre namnet. Septologien I-II«
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt Henkel
Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3-498-02141-2

Und ich sehe mich dastehen und das Bild mit den beiden Strichen anschauen, einer ist lila, einer braun, sie kreuzen sich in der Mitte, ein längliches Bild, und ich sehe, dass ich die Striche langsam und mit dicker Ölfarbe gemalt habe, und sie hat getropft und wo die braune und die lila Linie einander kreuzen, mischt die Farbe sich schön und tropft herab und ich denke, das ist kein Bild, aber zugleich ist das Bild genau, wie es sein soll … (Seite 11)

…denn manchmal gibt es auch Bücher, die genau so sein sollen, wie sie sind, obwohl sie eigentlich recht unbequem zu lesen sind, denke ich, und man immer wieder aufs Neue den Lesefluss suchen muss, jeden Tag und immer wieder, aber wenn man erstmal wieder eine paar Zeilen gelesen hat, kommt der Fluss von ganz allein, er stellt sich ein, ganz automatisch, wie wenn du in einen echten Fluss steigst, Weiterlesen »

Raphaela Edelbauer | DAS FLÜSSIGE LAND

A 2019 | 350 Seiten
Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-96436-3

In den frühen Morgenstunden des 21. September 2007 verschüttete ich rund 200 ml Kaffee über meinem penetrant klingelnden Handy, das mich, von einer unterdrückten Nummer zutiefst erschüttert, so plötzlich zum Abheben aufforderte, dass ich keine Zeit hatte, die Tasse abzustellen. (Seite 5)

Ruth arbeitet als Physikerin in Wien, als sie von dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern erfährt. Deren letzter Wille war es, in ihrem Heimtstädtchen Groß-Einland bestattet zu werden. Doch für Ruth ist es gar nicht so leicht, diesen Ort zu finden. Sie hat noch nie von Groß-Einland gehört, er ist auf keiner Karte verzeichnet und weder die Behörden noch die Ortskundigen können ihr weiterhelfen. Nur durch puren Zufall gelangt sie über unwegsames Gelände durch einen dichten Wald doch noch in die versteckte Stadt.Weiterlesen »

Tonio Schachinger | NICHT WIE IHR

A 2019 | 304 Seiten
Kremayr & Scheriau
ISBN: 978-3-218-01153-2

Wer keinen Bugatti hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie angenehm Ivo gerade sitzt. (Seite 5)

Ivica »Ivo« Trifunović hat mit Mitte zwanzig alles, was sich viele junge Männer zu wünschen meinen. Er verdient als Top-Stürmer Millionen bei einem englischen Fußballverein, fährt äußerst noble Autos und ist mit der wunderschönen Jessy verheiratet, die ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest. Dass dies alles für ein glückliches und erfülltes Leben irrelevant ist, merkt Ivo aber erst jetzt, fast am Ende seiner Karriere. Weiterlesen »

Simon Stranger | VERGESST UNSERE NAMEN NICHT

NO 2018 | 350 Seiten
OT: »Leksikon om lys og mørke«
Aus dem Norwegischen von Thorsten Alms
Eichborn Verlag
ISBN: 978-3-8479-0666-7

A wie Anklage.
A wie Aussage.
A wie Arrest. (Seite 5)

Im Jonsvannsveien 46 in Trondheim steht ein Haus, in dem während des Zweiten Weltkrieges furchtbare Greueltaten verübt wurden. Es war das Haus der berüchtigten Rinnanbande, angeführt von Henry Oliver Rinnan, einem Norweger, der gleich nach der Besetzung seines Landes zu den Nazis überlief. Da er als Kurierfahrer nahezu alle Bewohner im Umkreis kannte – ihre Vorlieben, ihre Familienverhältnisse und besonders ihre politischen Gesinnungen –, war er für die Deutschen von einigem Wert. Zunächst als verdeckter Spion eingesetzt, schwang sich Rinnan in kurzer Zeit zu einem einflussreichen Vorzeigenazi auf, der das ganze Gebiet um Trondheim kontrollierte und mit drakonischen Methoden Jagd auf Regimegegner machte.Weiterlesen »

FBM19-Tagebuch | Abreise

Ich erwache von der Morgendämmerung, die sanft durchs Fenster scheint. Die Vögel zwitschern ihre fröhlichen Lieder und ich dreh mich nochmal auf die andere Seite. Mit ein Schlag bin ich hellwach! Ich habe den Wecker auf 6°° Uhr gestellt; es müsste stockfinster sein! Ich habe verschlafen! Fluchend springe ich aus dem Bett, ziehe mich an und verrichte meine Morgenhygiene in Rekordzeit. Ich schnapp mir meine sieben Sachen und sprinte zum Bahnhof Großkrotzenburg, wo ich zum ersten Mal durchatmen kann. Es ist schon halb neun – ich könnte kotzen! Weiterlesen »

FBM19-Tagebuch | Messedonnerstag

Weil es gestern so spät wurde, gebe ich mir heute mal ’ne halbe Stunde länger und stehe erst um 7°° Uhr auf. Trotz der wenigen Stunden Schlaf, bin ich erstaunlich munter; das muss am Bett liegen. Die Matratze gibt kaum nach, die ist härter als das Leben in der Bronx, und die Bettdecke ist dermaßen prall gefüllt, die muss ’n Zentner wiegen. Klingt erstmal ungemütlich, ist aber anscheinend genau das, was ich brauche. Ich lege mich da rein und es ist wie in einer Schrottpresse, aber ich schlafe schlagartig tief und fest ein. So etwas brauche ich zu Hause auch. (Wälz schon mal die Kataloge, Schatz!)Weiterlesen »