Mariana Leky | WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN

D 2017 | 315 Seiten
DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-8321-9839-8

Als Selma sagte, sie habe in der Nacht von einem Okapi geträumt, waren wir sicher, dass einer von uns sterben musste, und zwar innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden. Das stimmte beinahe. Es waren neunundzwanzig Stunden. (Seite 13)

INHALT: Die Bewohner einer kleinen Gemeinde im Westerwald leben in heller Aufregung, seitdem die Runde gemacht hat, dass die gute Selma von einem Okapi geträumt hat. Dieses merkwürdige Tier gilt seit jeher als Omen dafür, dass innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden ein Mitglied der Dorfgemeinschaft sein Leben lassen muss. Ob nun abergläubisch oder nicht, alle scheinen den Tod in ihrer Nähe zu wissen und beginnen, ihre Leben aufzuräumen – lang bewahrte Geheimnisse müssen gelüftet, große und kleine Lügen aus der Welt geschafft werden. Selmas Enkeltochter Luise und ihr Schulfreund Martin beobachten das ganze Spektakel mit einer Mischung aus Verwunderung und Skepsis. Als die vierundzwanzig Stunden ohne Zwischenfall vergehen, atmen alle tief durch und sind froh, dass vielleicht doch nicht alle Geheimnisse gelüftet wurden. Gevatter Tod aber, der miese Sack, schlägt dann doch noch zu, mit aller Härte, mitten ins Herz der kleinen Gemeinde.Weiterlesen »

Gerald Murnane | DIE EBENEN

AUS 1982 | 152 Seiten
OT: »The Plains«
Aus dem Englischen von Rainer G. Schmidt
Bibliothek Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-22499-1

Vor zwanzig Jahren, als ich erstmals auf den Ebenen eintraf, hielt ich die Augen offen. Ich suchte in der Landschaft etwas, das auf eine vielfältige Bedeutung hinter den Erscheinungen hinwies. (Seite 9)

INHALT: Ein Mann erinnert sich an eine lang zurückliegende Reise in die Ebenen, dem sagenumwobenen Outback Australiens, dort wo nichts ist und doch alle einen tieferen Sinn, eine Art inneren Geist des Landes zu sehen glauben. Der Mann, damals ein aufstrebender Filmemacher, will sich vor Ort Notizen für ein Drehbuch machen und Eindrücke für einen Film sammeln, in dem er genau diese verborgene Schicht, diese Ebene hinter den Ebenen, zu zeigen beabsichtigt. In der größten Siedlung der Ebenen angekommen, merkt er schnell, dass die Bewohner der Ebenen, die Plainsleute, sehr empfänglich sind für alle Arten von Kunst und Wissenschaft, die sich mit den tieferen Geheimnissen der Ebenen beschäftigen. Ein Grundbesitzer findet besonderen Gefallen an dem Filmprojekt und lädt den jungen Mann auf sein Anwesen ein, um dort die Arbeit zu vertiefen. Doch anstatt die die endlosen Weiten einzufangen, verliert dieser sich in der riesigen Bibliothek seines Gönners, die vor Kunst und Wissenschaft über die Ebenen fast überquillt. Die wahren Ebenen bleiben unberührt – dort ist nichts, dort war nichts und dort wird wohl auch nie etwas sein.Weiterlesen »

J. G. Ballard | BETONINSEL

GB 1974 | 174 Seiten
OT: »Concrete Island«
Aus dem Englischen von Herbert Genzmer
Diaphanes
ISBN: 978-3-03734-978-6

Kurz nach drei Uhr am Nachmittag des 22. April 1973 fuhr ein fünfunddreißig Jahre alter Architekt namens Robert Maitland mit hoher Geschwindigkeit die Ausfahrt des Westway-Kreuzes in der Londoner Innenstadt hinunter. (Seite 5)

INHALT: Als Maitland nach einem Unfall auf einem riesigen Autobahnkreuz wieder zu sich kommt, stellt er fest, dass er auf einer Insel gestrandet ist, einem tief gelegenen Niemandsland zwischen viel befahrenen Hochstraßen. Sein Jaguar ist schrottreif und auch er selbst hat einiges abbekommen. Die einzige Möglichkeit, die Insel zu verlassen, besteht darin, eine der hoch aufragenden Böschungen zu erklimmen und ein Auto anzuhalten. Doch der nie enden wollende Verkehr ist viel zu schnell und die Böschungen sind viel zu hoch, sodass Maitland nach einigen Versuchen aufgibt, erschöpft und noch schwerer verletzt als ohnehin schon. Er sitzt auf der Insel fest – mutterseelenallein mitten in der Millionenstadt London.

Auf seinen Streifzügen über die Insel kämpft Maitland an den folgenden Tagen neben Schmerzen und Fieber auch mit dem immer stärker werdenden Hunger. Außer ein paar Essensresten, die vom Zubringer geworfen wurden, ist wenig zu finden. Alles, was er im Jaguar mit sich führte, waren ein paar Flaschen Weißburgunder, aber auch die sind schon halb aufgebraucht. Mit den letzten Kräften versucht Maitland, sich im vorbeirauschenden Verkehrsstrom bemerkbar zu machen, dann bricht er bewusstlos zusammen …  Weiterlesen »

Marlon James | EINE KURZE GESCHICHTE VON SIEBEN MORDEN

USA 2014 | 858 Seiten
OT: »A Brief History of Seven Killings«
Aus dem Englischen von Guntrud Argon, Robert Brack,
Michael Kellner, Stephan Kleiner und Kristian Lutze
Wilhelm Heyne Verlag | Heyne Hardcore
ISBN: 978-3-453-27087-9

Aufgepasst.
Die Toten hören nie auf zu reden. Vielleicht weil der Tod nicht der Tod ist, sondern so etwas wie Nachsitzen in der Schule. Du weißt, woher du kommst, und du kehrst auch immer wieder dorthin zurück. Du weißt, wohin du gehst, aber du scheinst nie dort anzukommen, und du bist einfach nur tot. Tot. (Seite 15)

INHALT: Jamaikas Hauptstadt Kingston ist Ende 1976 Spielball der zwei großen Parteien des Landes. Die People’s National Party unter Führung von Michael Manley ist an der Macht und führt den Inselstaat nach und nach in eine eine Art sanften Sozialismus mit festen Beziehungen zu Kuba und der Sowjetunion. Die oppositionelle Jamaica Labour Party unter Edward Seaga verfolgt dagegen pro-westliche Ziele mit guten Kontakten zur CIA. Der Wahlkampf ist in vollem Gange und es gilt der Leitspruch: »Wer Kingston gewinnt, gewinnt auch das Land«. Leider werden die demokratischen Grundprinzipien nicht gerade als heilig angesehen und so gibt es parallel zum offiziellen Wahlkampf auch zwei einflussreiche Gangs, Copenhagen City und die Eight Lanes, die sich auf den Straßen von Kingston einen erbitterten Kleinkrieg liefern.Weiterlesen »

Jochen Schmidt | ZUCKERSAND

D 2017 | 206 Seiten
C.H.Beck
ISBN: 978-3-406-70509-0

Klara schrieb mir aus dem Büro, dass ich nicht vergessen sollte, Karl die Zähne zu putzen, wir würden es sonst irgendwann bereuen … (Seite 11)

INHALT: Ein nicht mehr ganz so junger Vater (40+) verbringt einen Tag mit seinem doch recht jungen Sohn (2), geht mit ihm einkaufen und auf den Spielplatz. Der kleine Karl entdeckt die Welt mit staunenden Augen, packt wissbegierig alles an, zieht Hebel, drückt Knöpfe, kein Schalter ist vor ihm sicher. Sein Vater lässt ihn alle Erfahrungen selbst machen, immer mit dem nostalgischen Blick in die eigene Kindheit, als die Welt noch aus unzähligen Mysterien bestand. Diese Enttarnungen, diese Momente, in denen es irgendwo im noch so jungen Oberstübchen Klick! macht, sind immer mit Kernerinnerungen verbunden, und diese möchter er seinem Sohn nicht verwehren.Weiterlesen »

Jami Attenberg | SAINT MAZIE

USA 2015 | 377 Seiten
OT: »Saint Mazie«
aus dem Amerikanischen von Barbara Christ

Schöffling & Co.
ISBN: 978-3-89561-203-9

Heute habe ich Geburtstag. Ich werde zehn. Dich habe ich geschenkt bekommen. […] Du bist mein New-York-Tagebuch. (Seite 12)

INHALT: Amerika zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Schwestern Rosie, Jeannie und Mazie Phillips finden Zuflucht vor ihrem Vater in der Bowary Road, einer heruntergekommenen Straße im Süden Manhattans, Anziehungspunkt für Bettler, Huren und allerlei zwielichtige Gestalten. Rosie, die älteste, übernimmt fortan die Mutterrolle und kümmert sich um ihre minderjährigen Schwestern so gut es ihr möglich ist. Als Mazie alt genug ist nimmt sie einen Job als Kassenwärterin vor einem Kino an, einen Posten, den sie die nächsten Jahrzehnte nicht mehr verlassen wird. Hier lernt sie die ganze Nachbarschaft kennen, die Gewinner und die Verlierer, Glücksritter, Neureiche, Penner und Banker, Cops und Kriminelle. Doch ob jung oder alt, arm oder reich – Mazie hat für jeden etwas übrig, und wenn es nur ein wärmender Händedruck ist.

Als die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die darauf folgende Große Depression das Land bis ins Mark erschüttert, zwingt es in New York auch die Reichsten in die Knie. Die Zahl der Obdachlosen steigt akut, Krankheiten verbreiten sich, die Bowary gleicht einem Lazarett – das ist Mazies Stunde. Durch die dubiose Hinterlassenschaft ihres Schwagers finanziell gut aufgestellt, macht sie sich auf durch die stinkende Gosse, um den Armen zu helfen, lässt sie kostenlos in ihrem Kino übernachten, schenkt ihnen Geld und Seife, unterstützt sie beim Neuanfang. Ohne es darauf angelegt zu haben, wird sie zur Königin der Bowary, der Heiligen Mazie. Doch die Aufopferung hat ihren Preis – das Einzige, was Mazie verwehrt bleibt, ist die wahre Liebe.Weiterlesen »

Simon Strauß | SIEBEN NÄCHTE

D 2017 | 140 Seiten
Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05041-2

Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor, gar nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. (Seite 11)

INHALT: S., der Ich-Erzähler, hat mit Ende zwanzig viel erreicht. Er kann nicht klagen – er ist klug und gebildet, Schule und Studium waren ein Klacks und der Karriere steht nichts mehr im Weg. Und doch wächst in ihm seit Längerem eine seltsame Furcht vor der Zukunft. Er hat Angst davor, zu leicht aus seiner Jugend zu gleiten in die Tristesse der Erwachsenenwelt, ohne Schrammen, ohne Narben, ohne je gesündigt zu haben. In einer blauen Stunde vertraut er sich T. an, einem Fremden, der diese Phase bereits hinter sich hat, und sie schließen einen Pakt: In den kommenden Monaten soll sich S. den sieben Todsünden hingeben. Sie bewusst zu suchen, zu begehen und dann über sie zu schreiben, dafür hat er je eine Nacht, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr früh.Weiterlesen »