Barbara Rieger | BIS ANS ENDE, MARIE

A 2018 | 205 Seiten
Kremayr & Scheriau
ISBN: 978-3-218-01120-4

Als ich wieder zu Bewusstsein komme, steckt etwas in meiner Vagina. (Seite 5)

Fetter erster Satz. Haut rein wie ein Preisboxer. Wer jetzt schon nicht gefangen ist, wird’s auch nicht mehr werden, denn die Geschichte um die Hassliebe zwischen der namenlosen Ich-Erzählerin und ihrer Freundin Marie hat es in sich, und das sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Barbara Rieger (*1982) zeigt sich in ihrem Debütroman experimentierfreudig, bedient sich gekonnt allen möglichen Stilmitteln und spielt mit ihren Lesern Katz und Maus.

Dabei ist eigentlich gar nicht so viel Story vorhanden, dass ein solcher schriftstellerischer Aufwand gerechtfertigt wäre. Hier die Eckdaten: Eine junge Frau hadert viel mit ihrem Leben – die Eltern verstehen sie nicht, die Oma liegt im Sterben, ihr Uni-Schwarm beachtet sie nicht. Sie fühlt sich fehl am Platz, und überhaupt scheinen alle anderen mehr Spaß am Leben zu haben, als sie selbst. Besonders Marie, die das Leben genießt wie ein Kind den Spielplatz, die alles in sich aufnimmt, was sie nur zu fassen kriegt und wieder ausspuckt, was ihr nicht schmeckt. Die Unterschiede zwischen den beiden Frauen sind also vergleichbar mit denen zwischen schwarz und weiß – selten hat ein Coverbild so gut zum Roman gepasst.

Die reine Story ist also in ein paar Sätzen erzählt, doch Rieger hat vorgesorgt und ihre Geschichte mit mehreren tiefer liegenden Ebenen beschwert und mit sirupdicker Prosa gefüllt. Man watet bis zur Hüfte in einem schweren Schlamm aus formvollendeten Sätzen und kämpft sich voran bis hin zu einem Ende, bei dem man fast gezwungen ist, gleich nochmal von vorn zu beginnen. Denn die Beziehung zwischen der jungen Frau und Marie beginnt mehr und mehr zu wanken, bekommt Falten und schließlich Risse. Riegers Kunst besteht darin, diese Fehler nicht nur in der zwischenmenschlichen Ebene zu beschreiben, sondern auch in den Text zu übernehmen: Szenen werden vage, Dialoge überkreuzen sich, das ganze Buch kippt – und am Ende weiß man, warum.

Sehr lesenswert.


image-e99cee49edabf0125ed8e37d868b527b-230x383BIS ANS ENDE, MARIE erschien beim großartigen Wiener Verlag Kremayr & Scheriau erschienen, dem ich herzlich für das Rezensionsexemplar danke. Alle weiteren Information findet Ihr auf der Verlagsseite. Und noch eine kleine Bitte: Kauft Bücher in Euren Buchhandlungen vor Ort. Die Online-Riesen sind schon satt genug und Eure Innenstädte werden es Euch danken.

8 Gedanken zu “Barbara Rieger | BIS ANS ENDE, MARIE

    • Musst Du das hier verraten? Was soll DAS denn?
      Rezensionen sind doch dazu da, den Leuten das Buch schmackhaft zu machen, die es noch nicht gelesen haben. Da kannst Du doch nicht das Ende verraten, die große Auflösung. So bringst Du jeden potentiellen Leser doch um seinen ganz persönlichen Aha-Effekt! Das ist, als würde man jemandem THE SIXTH SENSE empfehlen und gleich verraten, dass Crowe ██████ ███ ███.
      Unfassbar…

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  1. Moment, meine Rezensionen oder Besprechungen kann ich so gestalten, wie ich möchte und mir auch meine Gedanken über den Literaturbetrieb machen, es war auch nur eine Frage, also auf Wiedersehen!

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  2. Also ehrlich gesagt, finde ich das auch überhaupt nicht cool, wenn man mir ein Ende oder den ganzen Inhalt oder den Clou einer Geschichte verrät. Ich mag auch keine Spoiler und wenn das auf meiner Seite jemand machen würde, hui, dann wär ich aber schon auch so frei und würde sogar so weit gehen, den Kommentar, wenns ganz schlimm ist, zu deaktivieren. Jeder kann seine eigenen Besprechungen schreiben, wie er sie es möchte, keine Frage, aber bei anderen dann was aufzulösen .. finde ich übergriffig. LG, Bri

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  3. […] Seine Antwort war aber mehr als harsch, denn er hat es als böswilligen Spoiler empfunden, der jetzt alles zerstört hat, den Kommentar, was mich etwas wunderte, aber stehen gelassen, denn wenn die für mich harmlose und gut gemeinte Frage, schon so ein böswilliger Spoileralam ist und ich auf meiner Seite ein solch absolut unfaßbares „No go!“, nicht haben will, dann veröffentliche ich ihn nicht, sondern schicke ein Mail zurück mit „Das beantwortete ich Ihnen lieber persönlich, denn wir wollen ja nicht zuviel verraten!“ […]

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