Richard Powers | DIE WURZELN DES LEBENS

USA 2018 | 618 Seiten
OT: »The Overstory«
Aus dem Amerikanischen von
Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié

S. Fischer
ISBN: 978-3-10-397372-3

Zuerst war da nichts. Dann war da alles. (Seite 13)

Als ich vor etwa zehn Jahren Richad Powers‘ ECHO DER ERINNERUNG las, war ich hoch begeistert und enorm beeindruckt davon, wie der Autor es vermag, ein so heikles Thema wie das Capgras-Syndrom belletristisch dermaßen behutsam und eindringlich zu behandeln. Ich nahm mir vor, jeden Folgeroman mit Vorfreude zu erwarten und nach Erscheinen sofort zu verschlingen. Leider blieb es – wie so oft – bei dem bloßen Vorhaben. Irgendwie rutschte mir Powers aus dem Blickfeld, und auch wenn ich jede Veröffentlichung zur Kenntnis nahm, griff ich doch nie wieder zu. Weiterlesen »

Colson Whitehead | UNDERGROUND RAILROAD

USA 2016 | 352 Seiten
OT: »The Underground Railroad«
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl
Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-25655-2

Als Ceasar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein. (Seite 9)

Die junge Cora ist Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia, wie auch schon ihre Mutter und deren Mutter davor. Ihr Leben besteht aus Arbeit, Gehorsam und drakonischen Strafen des sadistischen Farmbesitzer. Von ihrem Freund Ceasar hört sie eines Tages von der Underground Railroad, einem geheimen unterirdischen Eisenbahnnetz, auf dem entlaufene Sklaven unentdeckt gen Norden in die Freiheit fahren können. Cora und Ceasar gelingt die Flucht und ihre Reise führt sie Staat für Staat immer weiter in den Norden, doch der Besitzer setzt mit Ridgeway einen erfahrenen Jäger auf sie an, einen kompromisslosen Bluthund, der ihnen immer dicht auf den Versen ist.Weiterlesen »

Andrew Sean Greer | MISTER WENIGER

USA 2017 | 331 Seiten
OT: »Less«
Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler
S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-397328-0

Von meiner Warte aus wirkt die Geschichte des Arthur Weniger gar nicht so schlimm. (Seite 7)

Arthur Weniger, Schriftsteller aus San Francisco, stehen zwei furchtbare Dinge bevor: Er wird demnächst fünfzig – ein Termin vor dem er große Angst hat – und Freddy Pelu, Liebe seines Lebens, heiratet demnächst einen anderen. Um dem ganzen Hochzeitstrubel zu entgehen, macht sich Weniger auf, die Welt zu erkunden. Teils beruflich, teils privat nimmt er über Monate hinweg Angebote aus aller Welt an. New York, Mexiko, Italien, Deutschland, Frankreich, Marokko, Indien, Japan – das ist die Route seiner ehrgeizigen Reise, die eigentlich eine Flucht ist. Eine Flucht vor den Leuten und sich selbst. Denn was Weniger am meisten fehlt, ist Selbstvertrauen.Weiterlesen »

Viet Thanh Nguyen | DER SYMPHATISANT

USA 2015 | 528 Seiten
OT: »The Sympathizer«
aus dem Englischen von Wolfgang Müller
Karl Blessing Verlag
ISBN: 978-3-89667-596-5

Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da ist es vielleicht kein Wunder, dass ich auch ein Mann mit zwei Seelen bin. (Seite 9)

INHALT: Vietnam 1975. Saigon ist gefallen, der kommunistische Norden hat gesiegt, woraufhin ein Gruppe südvietnamesischer Regierungsmitglieder das Land Richtung Kalifornien verlassen muss. Unter ihnen der namenlose Ich-Erzähler, der im Auftrag seines Vorgesetzten und mit Hilfe des CIA auch nach dem Krieg für die Befreiung seines Landes kämpft. Der Plan ist, eine Gruppe Südvietnamesen zusammenzustellen, die als Untergrundkämpfer in die verlorene Heimat geschleust werden sollen. Doch der Ich-Erzähler hat ein Geheimnis: Er ist Doppelagent und schreibt in chiffrierten Briefen über die Fortschritte des südvietnamesischen Sonderkommandos an einen kommunistischen Kontaktmann in Paris. Als sich die Hinweise häufen, dass sich ein Maulwurf in dem Kommando befindet, muss der Doppelagent handeln, um die Spuren von sich zu lenken. Er streut Beschuldigungen und wird zum mehrfachen Attentäter innerhalb der eigenen Gruppe. Weiterlesen »

Adam Johnson | DAS GERAUBTE LEBEN DES WAISEN JUN DO

USA 2012 | 685 Seiten

INHALT: Der junge Jun Do (btw: das Pendant zum amerikanischen John Doe, einem Menschen ohne Identität) wächst in einem Waisenhaus in Nordkorea auf und wird von der Regierung zum Spitzel ausgebildet. Im Japanischen Meer soll er feindliche Funksprüche auffangen. Eine Aufgabe, die er mit Bravour meistert, sodass er auf der Karriereleiter aufsteigt und an einem Staatsbesuch in Texas teilnehmen darf. Dieser scheitert in den Augen der Obrigkeit allerdings und Jun Do wird ohne Gerichtsverfahren in ein Arbeitslager deportiert. Nach vielen Monaten unter unmenschlichen Bedingungen gelingt ihm die Flucht indem er den tyrannischen Lagerkommandanten Ga erschlägt und seine Identität annimmt, denn (und das ist der große Aufhänger dieses Romans) in Nordkorea zählt nicht das Individuum selbst, sondern nur seine Geschichte. Do als Ga hat nun viel Macht und große Nähe zum Geliebten Führer Kim Jong Il und kann für sich und seine neu gewonnene Familie die Flucht nach Amerika planen. Doch auch dies gelingt nicht und er muss sich einem langwierigen Verhör stellen, das einer Gehirnwäsche gleicht.Weiterlesen »

Jennifer Egan | DER GRÖSSERE TEIL DER WELT

USA 2010 | 385 Seiten

INHALT: DER GRÖSSERE TEIL DER WELT ist ein Episodenroman, wie ihn die Amerikaner lieben … und ich auch. Die einzelnen Kapitel, die ganz bequem auch als eigenständige Kurzgeschichten durchgehen könnten, beschreiben ein Dutzend Figuren im Dunstkreis von Bennie Salazar, einem Musikproduzenten in New York City. Die Handlungen gehen quer durch die sozialen Schichten, ebenso wie durch die Jahrzehnte. Manche Kapitel spielen in den 1980ern, andere in den 2020ern. Jennifer Egan versteckt überall kleine Hinweise, legt Spuren, denen der Leser folgt, um mehr über die Zeit und die Verbindungen der Personen zu erfahren. Durch den Trick mit den Zeitsprüngen verändert sich ständig das Verhältnis Leser-Figur. Die Figur wird zu verschieden Zeiten aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, was eine enorme Entwicklung zur Folge hat. Bei einem Kapitel sagt man noch: »Alter, was hat DER denn für ein Problem!« – zwei, drei Kapitel später werden die Gründe geliefert: »Achso, na dann ist ja kein Wunder!«Weiterlesen »

Donna Tartt | DER DISTELFINK

USA 2013 | 1025 Seiten

INHALT: Theo Decker ist 13 als er seine Mutter verliert. Die beiden waren gerade im Metropolitan Museum of Arts als eine gewaltige Explosion hunderte Menschen in den Tod reißt. Theo ist einer der wenigen Überlebenden. Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem zerstörten Museum nimmt er das Gemälde mit, von dem seine Mutter, die jetzt irgendwo unter Schutt und Asche liegt, zuletzt so geschwärmt hat: den titelgebenden „Distelfink“. Dieses kleine aber sehr wertvolle Gemälde ist von da an Theos heiligster Besitz und seine einzige Erinnerung an ein schönes Leben, denn von da an geht es für ihn steil bergab. Pflegefamilie in New York, Umzug nach Las Vegas zu seinem alkohol- und spielsüchtigen Vater, eine fragwürdige Freundschaft zu Boris, einem wilden russischen Jugendlichen, der Theo in die Abgründe von Drogen und Kriminalität zieht. Theo gerät zunehmend auf die schiefe Bahn und auch als Erwachsener kommt er nicht aus den Betrügereien und Exzessen heraus. Bis er bei einem internationalen Deal seine Grenzen übertritt und dabei fast zugrunde geht.Weiterlesen »