Franziska Hauser | KEINE VON IHNEN

D 2022 | 304 Seiten
Eichborn Verlag
ISBN: 978-3-8479-0112-9

»Jennifer!«, brüllte ihr Vater.

(Seite 5)

Neben den aktuellen Veröffentlichungen von Joshua Cohen und Berit Glanz habe ich mir in diesem Frühjahr auch den neuen Roman von Franziska Hauser sehnlichst herbeigewünscht. Gut zwei Jahre und eine Pandemie sind seit DIE GLASSCHWESTERN vergangen; jetzt steht mit KEINE VON IHNEN ein Buch in den Läden, mit dem die Autorin aufs Neue beweist, dass sie zu den großen Stimmen des Landes zählt.

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Elizabeth Wetmore | WIR SIND DIESER STAUB

USA 2020 | 320 Seiten
OT: »Valentine«
Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Bonné
Eichborn Verlag
ISBN: 978-3-8479-0092-4

Sonntagmorgen draußen auf dem Ölfeld, kurz vor der Dämmerung.

(Seite 9)

Eine der trostlosesten Ecken der Vereinigten Staaten ist zweifelsohne das westliche Texas. Das Land ist flach und staubig, Hitzewellen und Sandstürme dominieren das Klima und das Einzige, das höher in den Himmel ragt als die Mesquitebäume, sind die unzähligen Ölpumpen, die in ewigem Auf und Ab das Panorama bestimmen. In der Nähe der kleinen Stadt Odessa, auf einer Ranch mitten im Nirgendwo, lebt die schwangere Mary Rose mit ihrer Tochter Aimee. Nahezu alle Männer der Gegend – Mary Rose‘ Ehemann Robert eingeschlossen – arbeiten auf den Ölfeldern. Es sind die Siebzigerjahre und die Ölförderung läuft auf Hochtouren. Die Männer trinken viel, sind roh und abgestumpft und nach getaner Arbeit lassen sie in billigen Absteigen die Sau raus. Wenn ein Mann hier stirbt, dann meist durch einen Arbeitsunfall; doch wenn eine Frau hier stirbt, dann meist durch die Hand eines Mannes.

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Sylvia Wage | GRUND

D 2021 | 176 Seiten
Eichborn Verlag
ISBN: 978-3-8479-0093-1

Mein Vater lag tot auf dem Grund des Brunnens.

(Seite 5)

Heute ist es endlich soweit: GRUND, der Debütroman von Sylvia Wage kommt in den Handel. Wer meinem Blog schon länger folgt, wird sich vielleicht erinnern, dass ich mich Anfang des letzten Jahres durch dutzende Leseproben und Manuskripte unveröffentlichter Romane gelesen habe. Ich war Mitglied der Blogger-Jury für die aktuelle Staffel des Blogbuster-Preises und meine Aufgabe war es, das Manuskript auszuwählen, das meines Erachtens eine Veröffentlichung verdient – ich entschied mich für GRUND. Aus über hundert Einsendungen blieben am Ende neun Titel übrig, aus denen eine Fach-Jury den Sieger kürte – Sylvia gewann und nun, fast ein Jahr später, steht das Ergebnis in den Buchläden. Seit vielen Monaten fiebere ich diesem Tag entgegen und kann dieses außerordentliche Buch nun endlich rezensieren.

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Neil Gaiman | DER OZEAN AM ENDE DER STRASSE

UK 2013 | 336 Seiten
OT: »The Ocean at the End of the Lane«
Aus dem Englischen von Hannes Riffel
Illustriert von Elise Hurst
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0071-9

Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofes.

(Seite 7)

Ganz ehrlich? Mit Fantasy konnte ich noch nie was anfangen. Klar habe ich DER HERR DER RINGE gelesen und den einen oder anderen SCHEIBENWELT-Roman – Wer hat das nicht? –, fand das auch alles irgendwie unterhaltsam, aber so richtig begeistern konnte mich das nicht wirklich. Mein letzter Versuch, mich in eine magische Welt voller Drachenviecher und Zauberkläuse zu versetzen, liegt etwa zehn Jahre zurück: Es war die klägliche Lektüre von DAS LIED VON EIS UND FEUER (vielen besser bekannt als GAME OF THRONES), die ich wegen akutem Desinteresse bereits nach dem zweiten Band aufgab – Himmel, was habe ich mich gelangweilt! Und kommt mir bloß nicht Harry Potter! Ich bin mir sicher, es gibt bahnbrechende Romane in diesem Genre und ich kann auch den großen Erfolg vieler Fantasy-Geschichten nachvollziehen, aber ich bin dafür einfach nicht der richtige Adressat; so etwas schaue ich mir dann lieber im Kino an.

[Frage aus dem Off: Hää? Und warum greifst Du dann ausgerechnet nach einem Roman von Neil Gaiman, dem ›Fürst of Fantasy‹?] Tja… keine Ahnung… Ausweitung der Komfortzone? Es ist so: Gaiman hat in meiner Wahrnehmung seit Jahren schon eine Art Sonderstatus. Ich mochte die Verfilmung von CORALINE sehr und habe mich in unserer Stadtbibliothek mal in der Comicausgabe von AMERICAN GODS festgelesen, so richtig mit Zeit vergessen und »Wir schließen jetzt!« und allem Pipapo. Ich mag die Verknüpfung unserer alltäglichen Welt mit Gaimans Vorstellung eines magischen, düsteren Jenseits, das uns umgibt. Und als der Verlag Eichborn dann mit einer illustrierten Neuausgabe einer seiner erfolgreichsten Romane um die Ecke kam, griff ich zu … und habe es nicht bereut.

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Hildegard E. Keller | WAS WIR SCHEINEN

D 2021 | 530 Seiten
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0066-5

»Gentili signori, siamo in arrivo a Bellinzona. Per Lugano binario due.«
Wie lange hatte sie geschlafen?

(Seite 11)

Als Hannah Arendt im Sommer 1975 in ihr Feriendomizil in den Schweizer Alpen reist, ahnt sie noch nicht, dass es ihr letzter Aufenthalt dort sein wird. Seit einigen Jahren kehrt sie immer wieder nach Tegna zurück, einem kleinen Ort bei Locarno, mittlerweile auch ohne ihren Heinrich. Dort findet sie Ruhe und Ablenkung, kann Kraft tanken für die Hektik von New York, wo sie seit bald 35 Jahren lebt. Sie kann auf bewegte Zeiten zurückschauen – zwei Weltkriege, Flucht und Exil, weltweiter Ruhm und Freundschaften mit den größten Denkern ihrer Zeit. Sie hat viel erlebt, viel publiziert und sich über Unmengen an Themen geäußert. Aber das Buch, an das man sich noch in Jahrzehnten erinnern wird, wenn man ihren Namen hört, ist ihr Bericht über den Prozess gegen den NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Jerusalem. Seit der Veröffentlichung 1963 muss sie ihr Werk verteidigen, denn kaum ein anderes politisches Buch erhitzte so sehr die Gemüter wie die BANALITÄT DES BÖSEN, wie es im Untertitel heißt.

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Michael Crummey | DIE UNSCHULDIGEN

CDN 2019 | 250 Seiten
OT: »The Innocents«
Aus dem kanadischen Englisch von Ute Leibman
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0052-8

In jenem Winter waren sie noch Kinder

(Seite 9)

Kanada, Ende des 18. Jahrhunderts. In einer abgelegenen Bucht Neufundlands lebt das junge Geschwisternpaar Evered und Ada. Ihre Eltern – arme Fischer – sind kurz nacheinander an einer Krankheit gestorben und nun müssen die Waisen in der Wildnis um ihr Überleben kämpfen. Zwei Mal im Jahr kommt ein Handelsschiff in die Bucht und versorgt die kleine Familie mit dem Nötigsten, allerdings nur, wenn Evered und Ada genügend Fisch zum Tausch bieten können.

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Franziska Hauser | DIE GLASSCHWESTERN

D 2020 | 430 Seiten
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0045-0

Keiner der anderen Restauratoren war je irgendwo runtergefallen. (Seite 7)

Die beiden Zwillingsschwestern Dunja und Saphie stehen kurz vor ihrem 40. Geburtstag und bis auf die üblichen Schwierigkeiten scheint alles einigermaßen im Lot zu sein, als das Unfassbare passiert: Beide Ehemänner sterben zur selben Zeit unabhängig voneinander – der eine fällt nach einem Ausrutscher vom Dach, der andere kippt mit einem Schlaganfall vom Hometrainer. Zunächst hält sich die Trauer in Grenzen – Dunjas Winne war ein Trottel, Saphies Gilbhard ein Säufer –, größer ist eher die Verwunderung über den Zufall der Gleichzeitigkeit.Weiterlesen »

Jasmin Schreiber | MARIANENGRABEN

D 2020 | 253 Seiten
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0042-9

Dein allerallerallerliebstes Tier war der Gespensterfisch – bei dir mussten es immer mindestens drei »aller« sein, wenn dir etwas ganz besonders wichtig war. (Seite 8)

Die junge Biologie-Studentin Hannah trauert um ihren kleinen Bruder, der bei einem Urlaub am Meer ertrunken ist. Auf den ersten Blick ist das völlig natürlich und aus psycho-hygienischen Gründen sehr gesund, allerdings liegt der Unfall schon zwei Jahre zurück und Hannah kommt nicht heraus aus ihrer Trauer, die so tief, dunkel und kalt ist wie der Marianengraben. Hannah ist depressiv und – auch wenn sie das nicht laut ausspricht – ihres Lebens müde. Jeder Versuch, aus dieser Tiefe aufzutauchen, misslingt schon im Ansatz – nicht einmal zum Grab ihres Bruders hat sie es in all der Zeit geschafft, weil sie sich ihrer Trauer vor anderen Leuten schämt. Weiterlesen »

Sarah Perry | MELMOTH

UK 2018 | 332 Seiten
OT: »Melmoth«
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0664-3

Schauen Sie! Es ist Winter in Prag; die Nacht erhebt sich über die Mutter aller Städte und hüllt ihre hundert Türme ein. (Seite 13)

Helen Franklin, eine Engländerin Anfang vierzig, arbeitet als Übersetzerin in Prag. Sie lebt asketisch und unauffällig, gönnt sich nichts und pflegt auch kaum sozialen Umgang. Die einzige Beziehung, die gerade so als Freundschaft durchgehen könnte, hält sie zu Karel und Thea, einem kauzigen Pärchen, das selbst ziemlich isoliert lebt. Als Karel Helen eines Tages ein Manuskript überreicht, wird sie unvermittelt und mit großer Wucht von ihrer Vergangenheit eingeholt.

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