Paul Beatty | DER VERRÄTER

USA 2015 | 349 Seiten
OT: »The Sellout«
Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens
Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87575-0

Aus dem Mund eines Schwarzen klingt das sicher unglaublich, aber ich habe nie geklaut.
(Seite 7)

Der Supreme Court der Vereinigten Staaten in Washington hat einen schwierigen Fall zu verhandeln: Mr Heros, Melonenlandwirt aus Kalifornien, soll massiv gegen die Zusatzartikel 13 und 14 der Verfassung verstoßen haben, die die Sklavenhaltung und die Rassentrennung verbieten – und das als Schwarzer!

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Ottessa Moshfegh | EILEEN

USA 2015 | 334 Seiten
OT: »Eileen«
aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
Verlagsbuchhandlung Liebeskind
ISBN: 978-3-95438-081-7

Ich sah wie ein Mädchen aus, das man sich im Bus vorstellen könnte, vielleicht mit einem Netz über den mausgrauen Haaren, in einem leinengebundenen, aus der Bücherei stammenden Band über Pflanzen oder Geografie lesend. (Seite 7)

INHALT: Neuengland, Dezember 1964. Eileen Dunlop wohnt mit ihrem Vater in einem heruntergekommenen Haus in einer Kleinstadt nahe Boston. Sie arbeitet in einer Jugendstrafanstalt als Sekretärin, kleidet sich züchtig, verhält sich unauffällig. Außer dem täglichen Gang zum Liquer-Shop, um literweise Gin für ihren schwer alkoholkranken Vater zu besorgen, führt sie ein scheinbar asketisches Leben. Aber in ihrem Innern zerfetzt es sie fast vor Hass, Wut und Selbstekel. Ihre Schwester meldet sich seit Jahren nicht, ihrer Mutter war Eileen selbst am Sterbebett nicht gut genug und von ihrem Vater ist außer Suff und Kotze nur Abneigung zu erwarten. Eileen ist eine graue Maus, ungeliebt und hässlich, von niemandem beachtet. Sie hasst sich und die Welt und möchte doch nur ein kleines bisschen Anerkennung, ein Minimum an Zuneigung.Weiterlesen »

Marlon James | EINE KURZE GESCHICHTE VON SIEBEN MORDEN

USA 2014 | 858 Seiten
OT: »A Brief History of Seven Killings«
Aus dem Englischen von Guntrud Argon, Robert Brack,
Michael Kellner, Stephan Kleiner und Kristian Lutze
Wilhelm Heyne Verlag | Heyne Hardcore
ISBN: 978-3-453-27087-9

Aufgepasst.
Die Toten hören nie auf zu reden. Vielleicht weil der Tod nicht der Tod ist, sondern so etwas wie Nachsitzen in der Schule. Du weißt, woher du kommst, und du kehrst auch immer wieder dorthin zurück. Du weißt, wohin du gehst, aber du scheinst nie dort anzukommen, und du bist einfach nur tot. Tot. (Seite 15)

INHALT: Jamaikas Hauptstadt Kingston ist Ende 1976 Spielball der zwei großen Parteien des Landes. Die People’s National Party unter Führung von Michael Manley ist an der Macht und führt den Inselstaat nach und nach in eine eine Art sanften Sozialismus mit festen Beziehungen zu Kuba und der Sowjetunion. Die oppositionelle Jamaica Labour Party unter Edward Seaga verfolgt dagegen pro-westliche Ziele mit guten Kontakten zur CIA. Der Wahlkampf ist in vollem Gange und es gilt der Leitspruch: »Wer Kingston gewinnt, gewinnt auch das Land«. Leider werden die demokratischen Grundprinzipien nicht gerade als heilig angesehen und so gibt es parallel zum offiziellen Wahlkampf auch zwei einflussreiche Gangs, Copenhagen City und die Eight Lanes, die sich auf den Straßen von Kingston einen erbitterten Kleinkrieg liefern.Weiterlesen »

Kiran Desai | ERBIN DES VERLORENEN LANDES

IND/USA 2006 | 430 Seiten
OT: »The Inheritance of Loss«
Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-0683-7

Der ganze Tag hatte in den Farben der Abenddämmerung geleuchtet, nun zog der Nebel wie ein Meerestier über die weiten Hänge der Berge, von ozeanischen Schatten und Abgründen beherrscht. Kurz stieß die aus Eis gehauene Spitze des fernen Kangchenjunga durch den dampfenden Dunst und die Winde um seinen Gipfel bliesen ein Schneewölkchen in den Himmel. (Seite 9)

INHALT: Indien, Mitte der 1980er Jahre. Hoch in den bengalischen Bergen, am Fuße des Himalaya, eingeklemmt zwischen Nepal und Bhutan, liegt die kleine Stadt Kalimpong. Dort lebt in einem alten schottischen Anwesen aus Kolonialzeiten der pensionierte Richter Jemubhai Patel mit seinem Koch, seiner Enkelin Sai und der Hündin Mutt, die er abgöttisch liebt und verehrt. Zu mehr Liebe ist Patel nicht fähig; er ist ein harter, rauher Mensch, zynisch und voller Hass auf alles Indische – und das, obwohl er selbst aus einfachen Verhältnissen stammt. Er hatte das Glück (und aus der Mitgift durch die Hochzeit mit der vierzehnjährigen Nimi auch das Geld) in England studieren zu können, wo er sich so stark anpasste, dass er seine Herkunft für den Rest seines Lebens völlig verdrängte. Er wurde zum Snob und konnte nach seiner Rückkehr mit der Heimat nichts mehr anfangen. Seine Ehe scheiterte, er verleumdete seine Familie und igelte sich ein.

Biju, der Sohn des Kochs, versucht sein Glück in New York City, wo er sich als Küchenhilfe und Kellner verdingt. Doch das Leben in den USA ist nicht (wie angenommen) ein leichteres. Er buckelt in miesen Jobs für jeden Dollar, muss sich immer wieder aufs Neue dem alltäglichen Rassismus stellen und dabei ständig auf der Hut vor der Einwanderungsbehörde sein, denn er ist illegal eingereist. Trotzdem berichtet er in seinem Briefen an den Vater von paradiesischen Zuständen und großen beruflichen Erfolgen. Wie lange er diese Fassade noch aufrecht halten kann, ist ungewiss. Irgendwann wird er sich seine Niederlage eingestehen und geschlagen heimkehren müssen.Weiterlesen »

Aravind Adiga | DER WEISSE TIGER

  IND/USA 2008 | 320 Seiten
OT: »The White Tiger«

C.H. Beck
ISBN: 978-3-406-57691-1

Wenn Sie meine Geschichte gehört haben – wie ich nach Bangalore gekommen und dort einer der erfolgreichsten (wenn auch am wenigsten bekannten) Geschäftsleute geworden bin –, dann wissen Sie alles, was Sie über das Entstehen, Fördern und Entwickeln von Unternehmergeist in diesem glorreichen 21. Jahrhundert des Menschengeschlechts wissen müssen.
Genauer gesagt, im Jahrhundert des gelben und braunen Mannes.
Ihres und meines. (Seite 12 f.)

INHALT: Balram Halwai, erfolgreicher Taxiunternehmer in Bangalore, sitzt in seinem Büro und schreibt in sieben Nächten seine Lebensgeschichte (unaufgefordert) per Mail an Wen Jiabao, den chinesischen Ministerpräsidenten, der sich für einen Staatsbesuch in Indien angekündigt hat. In diesen E-Mails steht, dass Halwai keineswegs schon immer seiner Kaste angehörte, sondern aus ärmlichen Verhältnissen stammte. Sein Vater, ein Rikschafahrer (der so ziemlich unehrenhafteste Beruf), und seine kranke Mutter waren so arm, dass sie sich gerade noch die fünfjährige Grundschulausbildung für ihren Sohn leisten konnten, nicht mal einen richtigen Namen hatte Balram zunächst. Als sich die weitverzweigte Familie erneut tief verschuldet, weil eine Cousine heiratet und eine Mitgift bezahlt werden muss, zieht Balram mit seinem Bruder nach Dhanbad und arbeitet in einem Teeladen.

Mit ein bisschen Geld und Glück ergibt sich die Chance als Fahrer in Neudelhi zu arbeiten und es beginnt der Aufstieg für Balram. Er chauffiert den schnöseligen Dandy Mr. Ashok (aus einer Geldgeberfamilie mit engen Beziehungen zu Wirtschaft und Staatspolitik) und seine divenhafte Frau Pinky durch die brodelnde Stadt von Termin zu Termin, hält immer seine Ohren offen und lernt dabei, wie Indien im Kern funktioniert. Das bringt ihn auf einen Gedanken, der ihm etwas ungeheuerliches in Aussicht stellt, etwas, das in Indien eigentlich nicht möglich ist: Ein Wechsel von einer niederen in eine höhere Kaste.Weiterlesen »