Helene Bukowski | DIE KRIEGERIN

D 2022 | 256 Seiten
Blumenbar Verlag
ISBN: 978-3-351-05107-5

Lisbeth schreckte auf.

(Seite 9)

Eine junge Frau – Lisbeth – flieht von jetzt auf gleich vor ihrem Leben. Sie lässt Mann und Kind beim Abendessen einfach sitzen, fährt ohne ein Wort der Erklärung von Berlin an die Ostsee und verbarrikadiert sich in den Dünen in einem Bungalow, in dem sie schon als Kind ihre Urlaube verbrachte. Was Lisbeth zu dieser Handlung trieb, erzählt Helene Bukowski in ihrem zweiten Roman DIE KRIEGERIN.

Lisbeth arbeitet seit Jahren als Floristin, es ist der Beruf, den sie gelernt hat. Ihr Lebenslauf zeigt aber noch eine weitere Ausbildung, nämlich die zur Soldatin. Während der Grundausbildung schloss sie eine innige Freundschaft mit Florentine – genannt: die Kriegerin –, einer taffen Frau, für die die Stählung ihres Körpers zum Lebensmotto gehört, um in dieser harten Welt nicht unterzugehen. Während Lisbeth ihren Wehrdienst nach einem sexuellen Übergriff von einem ihrer Vorgesetzten quittierte, stürzte sich die Kriegerin ohne Gnade in die Armee und nahm jeden Auslandseinsatz an, der ihr angeboten wurde. Und nun, Jahre später am schönen Ostseestrand, laufen sich diese beiden höchst unterschiedlichen Frauen wieder über den Weg und beleben ihre Freundschaft neu.

Die Kriegerin zieht zu Lisbeth in den Bungalow und sie verbringen eine kurze, intensive Zeit miteinander. Dann bekommt Lisbeth eine Stelle als Floristin auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem sie monatelang die Welt bereist, und Florentine geht zurück zur Bundeswehr und nimmt an weiteren Einsätzen in Krisengebieten teil. Von dort aus schickt sie Lisbeth lange Briefe, in denen sie sich den Schmerz von der Seele schreibt. Die seltenen Urlaubswochen verbringen sie gemeinsam im Bungalow. So vergehen die Jahre…


Ich merke gerade, wie schwer es mir fällt, DIE KRIEGERIN halbwegs einmütig zu bewerten, denn die Lektüre hat mich gespalten zurückgelassen. Die Sprache zum Beispiel gefällt mir sehr. Es sind meist kurze, spröde Sätze mit denen Bukowski die Szenerien beschreibt und mich am Innenleben ihrer Figuren teilhaben lässt. Dieser Schreibstil könnte gar nicht besser zu den wortkargen Frauen passen, zwischen denen so viel Unausgesprochenes steht wie bei einem Angelausflug unter Männern. Außer in den Briefen Florentines machen beide Frauen vieles mit sich selbst aus, kauen an ihren Gedanken bis sie daran zu ersticken drohen. Das alles ist gut beobachtet und stimmig in Sprache übersetzt.

Auf der anderen Seite habe ich große Probleme damit, zu erkennen, was denn das eigentliche Thema des Romans sein soll. Geht es um posttraumatische Belastungsstörungen? Um Frauen bei der Bundeswehr? Oder einfach um eine Freundschaft zweier Menschen, die unterschiedlicher kaum sein können? Über jedes einzelne Sujet könnte man gleich mehrere Romane füllen, aber Bukowski macht meiner Meinung nach viel zu viele Fässer auf und überfrachtet ihren Roman mit Thematiken, die am Ende meist nur angeschnitten bleiben. Hinzu kommen einige bedeutungsschwangere Motive, die alles noch dickflüssiger machen – Lisbeth träumt Florentines Erlebnisse; ein wildlebender Papageienschwarm in Berlin; permanentes Steinesammeln; Lisbeths Hautkrankheit, die immer aufblüht, wenn sie sich in die Ecke getrieben fühlt… Jedes für sich ergibt ein gutes Bild, aber alle auf einmal sind einfach zu viel.

Ich bleibe bei meinem Statement, das ich nach der Lektüre ihres Debütromans MILCHZÄHNE geäußert habe: Helene Bukowski ist hochtalentiert! Hier aber liefert sie zu viel des Guten. Ein bisschen mehr Fokus auf ein Thema und ein paar Motive weniger hätten dem Roman nicht geschadet.


DIE KRIEGERIN erschien Blumenbar Verlag, dem ich herzlichst für das Rezensionsexemplar danke. Mit einem Klick aufs Coverbild kommt ihr zur Verlagsseite, wo Ihr Informationen über Buch und Autorin, sowie eine Leseprobe findet.

Eine kleine Bitte noch: Kauft Bücher in Euren Buchhandlungen vor Ort. Die Online-Riesen sind schon satt genug und Eure Innenstädte werden es Euch danken.

3 Gedanken zu “Helene Bukowski | DIE KRIEGERIN

  1. Danke für die ehrliche Beschreibung: es ging mir wirklich haargenauso. Was will das Buch? Diese Frage blieb für mich am Ende stehen und ich bedauere das sehr, denn gelesen habe ich den Roman fast immer gerne. Schade.

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