Mein Lesejahr 2021

So, Ihr Lieben, das zweite Corona-Jahr nähert sich seinem feuerwerklosen Ende und ich kann Euch sagen: Es war nicht alles schlecht. Auch wenn das erste Halbjahr durch empfindliche Schließungen in Kunst und Kultur und mit Kontaktbeschränkungen und Home-Office nicht gerade angenehm war, bin ich doch froh, dass es mich und meine Familie nicht ganz so hart getroffen hat. Wir sind gesund und ohne große Einbußen durch die Zeit gekommen. Ab Mai/Juni öffnete sich die Welt ja auch wieder und ich habe mich riesig gefreut, wieder ein paar Veranstaltungen mitnehmen zu können und dass sogar die Frankfurter Buchmesse möglich gemacht wurde.

Eine große Neuerung in diesem Jahr war mein Wechsel zu Instagram. Mit Twitter wurde ich nie so recht warm und meinen Facebook-Account hatte ich relativ schnell sehr vernachlässigt und schließlich vor ein paar Wochen deaktiviert. Ich muss schon sagen, dass Instagram Fluch und Segen zugleich ist. Sicherlich kann man in der Bookstagram-Bubble viel entdecken, tolle Leute treffen und sich schnell und ohne viel Umstände über Bücher und allen möglichen Kram austauschen. Aber es ist natürlich auch ein unfassbarer Zeitfresser und Ursprung von jeder Menge Hass, Neid und Missgunst. Die Leute sind extrem schnell in ihren Urteilen und manchen Diskussionen dort zu folgen, tut echt weh. Abgesehen davon gleichen sich viele Instagram-Accounts in der Bücher-Bubble sehr. Es soll ja jeder und jede machen, was er oder sie will, aber von hundert Bookstagram-Kanälen sieht man auf fünfzig irgendwelche TypInnen, die strahlend ihre Fitzeks in die Kamera halten, vor Bücherregalen, die vor cremefarbenen Romance-Reihen überquellen und mit Funko-Pop-Püppchen vollgestellt sind. Unter den immergleichen Fotos stehen dann Kurzversionen von Klappentexten und Fazits wie: »Boah, war das spannend!« Ich will nicht meckern, aber ich finde meine Rezensionen besser als die meisten, die man dort zu lesen bekommt – bei manchen bezweifele ich stark, dass sich dort mehr als zehn Minuten Gedanken gemacht wurde –, und wenn man dann die Follower-Zahlen sieht, die die eigenen um das Zehnfache übersteigen… Egal, genug Insta-Mimimi für dieses Jahr, unterm Strich gibt es dort viel zu entdecken und den Austausch über Literatur will ich nicht mehr missen.


Gelesen habe ich 2021 deutlich weniger, als in den Jahren zuvor. Unterm Strich stehen 36 Romane mit insgesamt rund 13.000 Seiten. Das sind zumindest die Bücher, die es auf meinen Blog geschafft haben, einige wenige habe ich hier aus verschiedenen Gründen nicht besprochen. Manche Bücher habe ich zu anderen Zwecken gelesen, zum Beispiel für Rezensionen in Literatur-Zeitschriften, einer Nebentätigkeit, an der ich Gefallen gefunden habe und die ich in nächster Zeit noch ausweite.

Unter den gelesenen und besprochenen Büchern waren viele Highlights, nur wenige mit Abstrichen und eigentlich nur eines, das ich nach wie vor für total missraten halte. (Ich vergebe hiermit die Auszeichnung Gurke des Jahres an Benedict Wells für sein völlig uninspiriertes und austauschbares HARD LAND; ich kann es immer noch nicht fassen, dass man mit so einem Geschreibsel einen so großen Erfolg haben kann.) Es war dagegen sehr schwierig, unter den guten Romanen eine Top-Ten-Liste auszuwählen, aber hier sind sie nun, die Bücher, die ich im letzten Jahr am liebsten gelesen habe in der Reihenfolge der Lektüre:

Einen Roman muss ich aber gesondert hervorheben und es war mir schon 2020 klar, dass dieses Buch für mich das wichtigste werden würde. Ich habe der Veröffentlichung eines Romans noch nie so sehr entgegengefiebert, wie dieser, und kann sagen, das Warten hat sich gelohnt – Es ist ein kleines Wunder geworden. Ich vergebe feierlich den Titel Buch des Jahres an:

Ich durfte dieses grandiose Buch als Teil der Jury des Blogbuster-Preises in einem frühen Manuskript-Stadium schon lesen, reichte den Text als mein Favorit ein und Sylvia gewann den Preis, der aus einer Veröffentlichung beim Eichborn Verlag bestand. (Für die ausführliche Version lest bitte hier, hier und hier…) Es folgten das Lektorat, eine überarbeitete Fassung, Korrektorat, Coverbild, Klappentext und am 27. August 2021 stand GRUND schließlich in den Regalen der Buchhandlungen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, das Buch tatsächlich in den Händen zu halten. Die größte Ehrung wurde mir dann noch zuteil, als ich mit Sylvia zusammen die Premiere samt Lesung moderieren durfte – das war quasi die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen. In den Folgemonaten las ich natürlich jede Wortmeldung zu GRUND und war erfreut über den Zuspruch für das Buch – ein voller Erfolg! Also falls Ihr GRUND noch nicht gelesen habt, lauft sofort in Eure Buchhandlung und holt es Euch! (Und liebe Sylvie – ich weiß, Du liest das hier , ich danke Dir für diese aufregende Zeit und wünsche Dir alles Gute für Deine nächsten Projekte! Wir sehen uns in Berlin!)

Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, sehr viel weniger den Neuerscheinungen nachzujagen und öfter mal in die Backlist zu greifen, die bei mir in den letzten Jahren erheblich angewachsen ist. Das heißt: Weniger Rezensionsexemplare, mehr altes Zeug. Es warten ein paar knackige Tausendseiter auf mich, die ich schon seit Jahren lesen will. Wenn es hier in den nächsten Monaten also etwas ruhiger wird, wisst Ihr: Der Bookster liest gerade einen fetten Schinken.

Kommt gut ins neue Jahr, bleibt gesund und habt Euch lieb!
Euer Stefan

7 Gedanken zu “Mein Lesejahr 2021

  1. Eine tolle Auflistung deiner Buchhighlights. Und deiner Meinung/deinem Empfinden zu Instagram kann ich an der Stelle nur zu 100% zustimmen. Das nervt mich auch gewaltig..

    Freue mich dagegen aber riesig, dass du „Grund“ nochmal so hervorgehoben hast, da ich das Buch zu Weihnachten meinem Freund geschenkt hatte. Selbst habe ich es noch nicht gelesen, bin aber unheimlich gespannt auf seine Meinung. 🙂

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  2. Hallo Stefan.
    Ein wunderbares neues Jahr wünsche ich dir.
    „Wolkenkuckucksland“ ist auch eines meiner Highlights. Ich schwärme immer noch von diesem großartigen Buch.
    Herzliche Grüße
    Marie

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  3. Hallo Stefan,
    Dir auch ein gutes, lesefreudiges mit spannenden Büchern neues Jahr!
    Was Du so zu den Instagram Accounts schreibst, Achja! Ich freue mich so oft über meinen privaten Account. Und den speziellen Büchern. Und das ich es so machen kann wie ich will.
    Gurke des Jahres gefällt mir sehr gut, ich war bei einem Interview dabei und hab mich nur gefragt: was bitte soll das? Da war ich doch nicht zu blöd. Aber Bücher sind manchmal Geschmacksache … doch nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
    Und Grund: jetzt wird es wirklich Zeit das Buch zu lesen! Ab nächste Woche, die letzten vier Wochen war ich doch sehr eingespannt bei meinen Eltern.
    Dir eine gute Zeit und liebe Grüße Maren (buch_ _ )

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